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Historisches Museum Thurgau ersteigert abgewandertes Kulturgut

Thurgau – Im 19. Jahrhundert hebt der Thurgau seine Klöster auf und veräussert deren hochkarätige Kunstwerke. Mit dem Erlös füllt der noch junge Kanton seine leeren Kassen. Das Sammlungskonzept des Historischen Museums Thurgau sieht vor, solches Kulturgut in den Kanton zurückzuholen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit der Ersteigerung einer Buchmalerei aus dem Kloster St. Katharinental ist dem Museum ein weiterer Schritt in diese Richtung geglückt.

Die aus einem Chorbuch ausgeschnittene Miniaturmalerei stammt aus dem Nachlass des amerikanischen Verlegerehepaars Michael und Cornelia Bessie. (Bild: Christie’s, London)

Im 14. Jahrhundert entstehen in unserer Region grossformatige, mehrere Kilo schwere Gesangbücher für den Gottesdienst. Deren Pergamentseiten sind kunstvoll mit Tinte beschrieben und mit feinsten Pinselstrichen auf kostbarem Goldgrund virtuos bemalt. Prachthandschriften aus dem Bodenseeraum zählen denn auch zu den bedeutendsten europäischen Kunstwerken des hohen Mittelalters. Als diese Bücher ausser Gebrauch gekommen sind, wird ihr Bilderschmuck aus den Seiten herausgeschnitten – für einzelne Darstellungen sind nämlich hohe Verkaufspreise zu erzielen und auch heute noch werden diese auf dem Kunstmarkt teuer gehandelt. Eine solche Miniatur aus dem Kloster St. Katharinental in Diessenhofen hat das Auktionshaus Christie’s in London versteigert. An der Auktion mit mehreren Mitbietern fiel der Hammer zugunsten des Historischen Museums Thurgau für 42 800 Franken.

Blütezeit der Mystik im Bodenseeraum
Um 1300 gilt das Dominikanerinnenkloster St. Katharinental als Hochburg der Mystik. Hier finden angeregte Diskussionen zu spirituellen Erfahrungen statt. Auch das ersteigerte Bild zeigt eine Gesprächsrunde. Umrahmt vom Buchstaben A, debattiert die hl. Katharina von Alexandrien, Schutzheilige der Nonnen in St. Katharinental, im Kreis gelehrter Männer. Gemäss der Legende überzeugt sie mit ihrer Sprachgewandtheit die ungläubigen Philosophen, sich zum Christentum zu bekennen. Die Malerei entsteht um 1320 in einer Buchmalereiwerkstatt im Bodenseeraum – wahrscheinlich im Kloster St. Katharinental selbst.

Strategische Bestandserweiterung
Der Erwerb dieses Kunstwerks stellt für das Historische Museum Thurgau einen bedeutenden Sammlungszuwachs dar, ist das Haus doch bereits im Besitz von Malereien aus der gleichen Hand. Damit sowohl die Öffentlichkeit und die Forschung zur hochmittelalterlichen Kunst im Bodenseeraum einen Nutzen haben, wird die Buchmalerei in die virtuelle Handschriftenbibliothek von e-codices aufgenommen. In dieser Datenbank sind weitere Buchmalereien aus der Museumssammlung frei zugänglich.

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