/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Ein Guide am Markt

Kreuzlingen – Unternehmen fragen vermehrt nach Möglichkeiten, um ihre Mitarbeiter behalten zu können. Arbeitnehmer sind durch die aktuelle Situation verängstigt und weniger sicher, ob sie eine neue Stelle finden. Die KMU Personal AG nimmt beide Seiten an die Hand.

Jeder Kunde hat andere Voraussetzungen und Vorstellungen. (Bild: Milla Studios)

«Die Lebensmittel- und Callcenterbranchen sind ganz klar Gewinner der Corona-Krise», stellt Domenico Ferrulli, Leitungsmitglied Ostschweiz und Mitglied der Geschäftsleitung bei der KMU Personal AG, fest. Wogegen die Hotellerie, Gastro- und Flugbranche eher zu den Verlierer zählen. «Da wir aber sehr breit aufgestellt sind, kamen wir bis jetzt mit einem blauen Auge davon», so Ferrulli. Was aber das 2021 bringe, stehe bekanntlich noch in den Sternen. «Der persönliche Kontakt so wie das Netzwerken an Veranstaltungen gehören normalerweise zu unserem täglichen Brot. Wegen Corona ist die Kommunikation leider unpersönlich geworden. Direkte Begegnungen mit den Kunden halten wir auf einem möglichst tiefen Niveau», erklärt Claudio Albano, Personalberater bei der KMU Personal AG in Kreuzlingen. Dennoch sei weiterhin eine professionelle Beratung von Arbeitssuchenden und -gebenden möglich.

Nicht mehr Personen auf Jobsuche
Ein eindeutiger Anstieg der Jobvermittlung unter den bestehenden Kunden könne nicht verzeichnet werden. Denn nebst Festanstellungen werden auch viele Temporärstellen vermittelt, die, wie der Name schon sagt, zeitlich begrenzt sind. Dementsprechend habe die regelmässige Jobsuche für manchen Arbeitnehmer auch vor der Pandemie zum Arbeitsleben gehört. Hingegen bestünde ein höheres Angebot an temporären Arbeitsstellen, da Unternehmen zurzeit kurzfristiger planen. Dieses Arbeitsmodell lohne sich nicht nur für Firmen, sondern sei auch eine Chance für Personen auf Jobsuche, so Albano: «Das Wort temporär hat für viele einen fahlen Beigeschmack. Hingegen ist das zum Beispiel für Deutsche eine vereinfachte Möglichkeit einmal auf dem Schweizer Arbeitsmarkt Fuss zu fassen.» Auch Männer und Frauen ab 55 hätten damit mehr Möglichkeit eine neue Stelle zu finden. «Aus einer temporären Stelle kann sich, bei guter Leistung, auch eine Festanstellung ergeben», ergänzt Albano.

Verunsicherung besteht
Dass aber die Situation die Unsicherheit und Anspannung auf Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite verstärke, sei natürlich sichtbar, bestätigen Ferrulli und Albano. Ein paar Kunden würden Sturm klingeln, da sie zwischen neun und zwölf Monate keine Anstellung mehr hätten und sich die Angst breit mache, dass dies ein Grund werde, nicht eingestellt zu werden. Auch die Aussteuerung werde langsam ein Thema.

«Es reicht ein Zeitungsartikel zum Grenzübertritt und das Telefon läuft heiss. Denn verständlicherweise wollen deutsche Arbeitskräfte wissen, ob sie von der neuen Regel betroffen sind oder nicht», sagt Albano.

Ungewohnt sei, dass ein Pilot sein Dossier eingereicht habe. Denn hauptsächlich vermitteln sie in Kreuzlingen in der Bau-, Industrie- und Callcenterbranche. Der grosse Ausfall in der Flugbranche zwinge dessen Personal auch in anderen Bereichen nach einem Job Ausschau zu halten. Wie schnell dieser ein Job findet, hänge auch davon ab, ob sich die neue Stelle auf dem selben Lohnniveau befinden soll oder er bereit ist auch für weniger zu arbeiten. Generell sei es einfacher für Allrounder eine Stelle zu suchen, als etwa für eine HR-Fachperson, die sich neu orientieren möchte und spezifische Vorstellungen hat.

Ob jemand sofort eine neue Stelle brauche oder überhaupt suche, hänge fest vom Alter und den finanziellen Verhältnissen ab. Ist der Mann der Ernährer einer Familie mit Kindern, sei er darauf angewiesen, rasch eine neue Stelle zu finden. Arbeiten hingegen beide und ein Lohn reiche bereits für die Deckung anfallender Kosten, hätte der Ausfall einer Einnahmequelle eine weniger grosse Tragweite. Auch zum Beispiel für eine jüngere Person, die noch bei den Eltern wohnt, sei das Versiegen des Lohns nicht unbedingt sofort einschneidend.

Das Paket umfasst mehr als die reine Vermittlung
«Wir sind keine Berufsberatung, auch wenn sich diese Tätigkeit mit der Vermittlung überschneidet», berichtigt Albano. Dass Aussenstehende dies manchmal vertauschen, sei ihnen nicht zu verübeln. Denn es gäbe viel zu wenige Einblicke. Die Arbeit umfasse weitaus mehr als die reine Vermittlung. Für Ausländer zum Beispiel würden sie auch den Papierkrieg übernehmen, bei der Wohnungssuche helfen und die Bewerbungsunterlagen fit machen. Wenn Unternehmen sich nur auf das Kerngeschäft fokussieren wollen, können sie das Personalwesen ganz abgeben. Am Ende ginge es darum, den Arbeitsalltag für beide Seiten so problemlos wie möglich zu gestalten, sagt Ferrulli.

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