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Updates und Windows 10 für den «Knochen»

Kreuzlingen – Um den neusten Sicherheitsstandards zu entsprechen und die beste Performance bieten zu können, wird Windows 10 ins Steuer-System des Sternenprojektors ZKP 3 und übrige digitale Equipment eingespeist. Dafür ist ein Experte der Firma Zeiss rund eine Woche zu Gast im Bodensee Planetarium.

Erwin Schroff (links), Andre Frenzl und Robert Testa bringen die Hybridanlage auf den neusten Stand.(Bild: Sandro Zoller)

Das Bodensee Planetarium besitzt eine kuppelförmige 360°-Leinwand. Damit ein virtueller Nachthimmel entsteht, müssen diverse Projektoren ganz exakt zusammen arbeiten. Im Zentrum des Raums, für alle sichtbar, steht eine hybride Projektionsanlage, bestehend aus dem Skymaster ZKP 3 und den beiden Velvet-Beamern. Wegen seiner Form wird der opto-mechanische Projektor ZKP 3 auch «Knochen» genannt. Das Gerät befindet sich bereits im zwanzigsten und das digitale «Interieur» im fünften Betriebsjahr. Deshalb ist ein grosser Service angebracht.

Gewappnet für die Zukunft
«Nach gewissen Betriebsstunden müssen die mechanischen Antriebssysteme auf korrekte Funktion geprüft und die Anlage neu kalibriert werden», erklärte Gerhart Lehmann, Projektleiter des Bodensee Planetariums. Aus Erfahrung dauere solch ein grosser Service mindestens sieben Tage. Während dieser Zeit können keine Vorstellungen durchgeführt werden. Der Betriebsunterbruch, wegen Corona, zeige hier zumindest einen Vorteil.

Lehmann ging mit gemischten Gefühlen an die Sache heran: «Ja, ich habe den Bammel. Denn man sagt nicht einfach so never change a running system.» Aus der Vergangenheit wisse er, dass bei der Technik nie alles so ablaufe wie geplant. Am Mittwoch vor einer Woche nahm der Servicetechniker Andre Frenzl von der Firma Zeiss aus Jena die Arbeit auf. Er ist nicht das erste Mal in Kreuzlingen. Alle sind bereits mit ihm per Du und freuen sich mit Zeiss und ihm einen guten Partner gefunden zu haben. «Es ist wirklich ein Glück und nicht selbstverständlich, dass wir nie hängen gelassen und immer so gut betreut wurden», sagte Lehmann über den Experten.

«Physisch ersetzen wir den Rechner für den Planetariumsprojektor und virtuell muss die Bedienersoftware umgestellt werden», listete Frenzl auf. Zudem erhalten alle Applikationen ein Update, damit Windows 10 darauf funktioniert. Es schien aber alles auch mit der Version 7 zu laufen, warum also der Wechsel? «Hauptgrund sind Sicherheitsbedenken», gab Frenzl an. Ein weiterer Vorteil sei die Nutzung des Internets zum Downloaden von Programmen für Shows.

Gleichzeitig nimmt sich Robert Testa, zuständig für die IT, dem Background- System an, welches getrennt von der Projektionsanlage arbeitet: «Wir rüsten auch da auf Windows 10 um.» Genutzt werde es hauptsächlich als Teststation und zu Übungszwecken. «Dies bringt den Vorteil, dass wir den Knochen nicht jedes Mal hochfahren müssen.»

Solch eine Wartung ist natürlich weit entfernt von gratis. Lehmann rechnet mit Kosten zwischen 25’000 und 30’000 Franken. «Den kleinen Service hingegen machen wir selber. Damit fallen nur die Materialkosten von rund 10’000 Franken pro Jahr an. Die Arbeit ist gratis, da wir alles ehrenamtlich machen.»

Grosse Investitionen sind unvermeidbar
Da die Anlage schon ein gewisses Alter habe, kämen diverse Teile an ihr Lebensende. «Neue Anlagenteile müssen wir jetzt schon ins Auge fassen», so Lehmann. Dabei denke er ganz konkret an den Ersatz des geliebten Projektors ZKP3. Diese Anschaffung belaufe sich auf über eine halbe Million Franken. Diese brächte eine enorme Qualitätssteigerung und Erlebnisbereicherung mit sich. «Aber zuerst müssen wir das Geld zusammen bekommen.» Deshalb sei die Service-Strategie enorm wichtig. Es müsse ihnen gelingen, die Anlage mit sorgsamer Unterhaltspflege in einwandfreiem Zustand zu halten bis die finanziellen Mittel beisammen sind.

Um Kosten einzusparen werden kleinere Reparaturen an der Haus- und Anlagetechnik von den ehrenamtlichen Mitarbeitern durchgeführt. Dafür verantwortlich zeichnet Erwin Schroff: «Die Sessel im Planetarium sind auch nicht mehr die Jüngsten. Sukzessive tauschen wir dessen defekten Klappmechanismus aus. Würden wir das von einem Externen erledigen lassen, kämen noch Servicegebühren dazu. Ein neuer Sessel beläuft sich hingegen auf rund 1500 Franken. Die Instandhaltung rentiert sich also.» Mit weiteren 90’000 Franken werde die Umrüstung der beiden Velvet-Projektoren zu Buche schlagen. Bis spätestens in fünf Jahren müssen dessen Leuchtmittel auf LED umgerüstet sein.

Schulungen und neue Shows
Nebst der Technik sei zudem das Personal eine Herausforderung. Das Personal für Vorführungen besteht aus zehn Freiwilligen. Die Hälfte davon kommt aus Konstanz. «Alle arbeiten ehrenamtlich», berichtete Schroff. Nach der Revision werden Nachschulungen anstehen, und neue Shows seien geplant. Auch wenn Corona-bedingt bereits viele Vorführungen ausfielen, könnten diese im Prinzip nachgeholt werden, sagte Lehmann. «In der Sternwarte sieht es hingegen anders aus. Zum Beispiel: Am 21. Dezember standen Jupiter und Saturn deckungsgleich am Himmel. Das kommt nur alle 20 Jahre vor.»

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