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Ein Lächeln schenken

Konstanz – Ein Clown zu sein, etwa in einem Altersheim oder bei schwer kranken Menschen, ist eine Herausforderung. Die Tamala Clown Akademie macht Interessierte während zwei Jahren für diese anspruchsvolle Aufgabe fit.

16 Absolventen bestanden die Prüfung in Konstanz. (Bild: zvg)

Alle zwei Jahre führt die Tamala Clown Akademie Castings für eine ganz spezielle Ausbildung durch: Gesundheit!Clown. «Normalerweise werden 24 Plätze vergeben. Wegen Corona mussten wir die Teilnehmerzahl auf 16 reduzieren», erklärt Udo Berenbrinker, Dozent und Verantwortlicher der Öffentlichkeitsarbeit bei Tamala. Durch die Pandemie sei die Bedeutung des Gesundheit!Clown hervorgehoben und in Deutschland sogar als systemrelevant eingestuft worden. «Wir sind seit Februar in der Probezeit als Berufsakademie und ab September dann offiziell. Dies bedeutet, dass unser Präsenzunterricht als berufliche Ausbildung stattfinden kann», berichtet Berenbrinker hocherfreut. Studenten aus der Schweiz würden auch eine Pendlerbescheinigung für den Grenzübertritt erhalten. Diese Möglichkeit möchten sie anbieten können, da rund 50 Prozent der Teilnehmer aus der Eidgenossenschaft kämen.

Ausbildung sehr breit gefächert
Eine künstlerische Vorbildung sei nicht notwendig. Keine Angst vor öffentlichen Auftritten und Bereitschaft zur körperlichen Bewegung sowie ungewöhnlichem Denken seien hingegen Voraussetzung.

«Das Spektrum der Ausbildung ist sehr breit gestreut», so der Dozent. Von Gesetzen der Komik, Geschichte der Clowns, Aufbau von Szenen über die Entstehung von Gags bis hin zur Arbeit an Emotionen, werde so einiges an Wissen weitervermittelt. Da die ausgebildeten Clowns in Altersheimen, Spitälern und bei Menschen mit körperlichen oder psychischen Einschränkungen spielen, gehöre auch die Auseinandersetzung mit der Thematik Krankheit und Tod in Bezug auf den Humor unweigerlich dazu.

«Viele unserer Studenten und Absolventen sind Ärzte, Pfleger, Therapeuten oder Lehrer und kommen daher aus dem sozialen-pädagogischen Umfeld, das heisst sie werden täglich mit dem Thema Corona konfrontiert», sagt Berenbrinker. Der feine Unterschied sei, dass als Gesundheit!Clown die Situation mit Humor angegangen werde. Beim Praktikum sei zudem allen Beteiligten nochmals bewusst geworden, welche Verantwortung sie mit diesem Beruf inne hätten und wie etliche Institutionen und dessen Bewohner sich nach Auftritten sehnten.

Wechselspiel der Gefühle
Julia Haas ist 40 Jahre alt, gelernte Pflegefachfrau und frischgebackene Gesundheit!Clownin. Die Konstanzerin entschied sich für diese Zweitausbildung, da sie sich nicht nur gerne verkleidet und in andere Rollen schlüpft, sondern eine weitere Möglichkeit suchte, sich sozial zu engagieren. Nebst dem klassischen Unterricht vor Ort fand jeden Monat ein Intensivwochenende statt. Hinzu kamen ein Seminar auf Schloss Glarisegg, welches zwischen Steckborn und Mammern liegt, und ein Workshop in Italien. Das Tragen einer FFP2 Maske und einer roten Nase hätten die Übungen zudem noch schweisstreibender gemacht. «Die für einen Clown so essenzielle Mimik fiel dadurch komplett weg», hält Haas fest. Dafür sei die Ausstrahlungskraft der Augen mehr in den Fokus gerückt.

«Ich habe die zwei Jahre als sehr intensiv erlebt.» Am Anfang sei sie noch unbeschwert an die Sache herangegangen. Im zweiten Jahr hingegen spürte sie immer mehr einen gewissen Druck. «Mir wurde da erst richtig klar, wo ich ein Lächeln schenken werde.» Zudem sei man als Clownin sehr exponiert und laufend im Wechselspiel der Emotionen, etwa so wie ein Kind. «Nur bei mir ist es ein bewusstes Handeln, das eine direkte Wirkung hat. Es muss deshalb immer der Situation angepasst werden», sagt Haas. Dadurch habe sie gelernt, mehr ihrer Intuition zu vertrauen, was ihrem Leben im Allgemeinen zugute komme. «Arbeitet man weniger mit dem Kopf und vermehrt aus dem Bauchgefühl heraus, spürt auch das Gegenüber, dass man bei ihm ist und nicht einfach ein Skript abarbeitet.»

Solch eine Pandemie hätten im 2019 noch alle für unmöglich gehalten. Deshalb soll man auch im positiven Sinne weiterhin an das Unmögliche glauben und den inneren Clown freilassen, findet Haas: «Und nur schon ein Kompliment zu einer schönen Jacke kann ein Lächeln schenken.»

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