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Viel mehr als nur ein Einkauf

Kreuzlingen – Dank der Koordinationsstelle «Kreuzlingen hilft» und dessen engagierten Helferinnen und Helfer wie Ursi Held, kommen ältere Personen und Risikopatienten dennoch zu Lebensmitteln und Medikamenten. Ein wichtiger Aspekt ist aber auch das Zwischenmenschliche.

Franz Maar nimmt dankend den Einkauf von Ursi Held entgegen und freut sich auf den Austausch von ein paar Worten. (Bild: Sandro Zoller)

«Für uns Samariter stand sofort fest, dass wir helfen. Wir schlossen uns Kreuzlingen hilft an, damit an einer zentralen Stelle um Hilfe und Unterstützung gefragt werden kann», erklärt Ursi Held. Die 73-jährige ist Teamleiterin «Jugend» beim Samariterverein Kreuzlingen und bildet für das Schulzentrum Bernegg Schulsamariter aus. Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie engagierte sie sich zusätzlich als Kursleiterin und Samariterlehrerin. Im Geschäftsleben war sie im medizinischen Bereich tätig. Bei der Firma Amcor leitete sie die Sanitätsstelle.

Risikopatientin und Helferin in einem
«Ich habe vor allem die Koordination übernommen, da ich ja selbst zur Risikogruppe gehöre», sagt Held. Das Büro von «Kreuzlingen hilft» habe ihr die Adressen übermitteltet, welche sie dann unter den neun sich zur Verfügung gestellten Samaritern nach dessen Möglichkeiten aufteilte. Insgesamt habe sie und ihr Team 25 Personen und eine Institution unterstützt. «Zur Zeit betreuen wir noch sieben Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger.» Auch unter den Helfern kann es aus diversen Gründen zu Ausfällen kommen. In solchen Situationen sei sie dann selbst eingesprungen. «Einmal rief uns die Leitstelle von ‹Kreuzlingen hilft› an und fragte nach, ob jemand noch schnell auf der Post ein Paket abholen könnte. Dies erledigte dann sogar mein Mann. Wir sind ja pensioniert», sagt Ursi Held lächelnd. Durch diese zeitlich begrenzten Einsätze an der «Front», habe sie neue schöne Bekanntschaften geschlossen, die sicher Corona überdauern würden. Bereits jetzt klingle sie ab und zu, mit einem Blumenstrauss in der Hand, bei ehemals Hilfesuchenden und frage nach dem Rechten. Da sie schon das zweite Mal geimpft wurde, fühle sie sich auch sicherer bei solchen direkten Kontakten.

Der Kontakt ist wichtig
«Am Anfang geht es um Besorgungen, eine Begleitung zum Arzt oder um einen Botengang zur Post. Doch immer mehr erkennt man, dass es teilweise oder sogar vordergründig um das Zwischenmenschliche geht», so Held. Viele dieser Personen würden alleine leben und seien durch die Einschränkungen von der Aussenwelt abgekapselt. Der persönliche Kontakt sei deshalb für manch einen so etwas wie ein Lichtblick in der eintönigen Woche. «Je besser man sich kennt umso offener und mutiger werden sie. So kann es gut sein, dass sie auch einmal nur für einen kleinen Schwatz anrufen oder sich etwa nach einer Haushilfe erkundigen.» Für Erstes sei sie natürlich zu haben. Für die Suche nach einer Haushilfe gäbe es aber spezialisiertere Anlaufstellen. Die Helfer aus dem Samariterverein würden parallel zum normalen Job ihre Hilfe anbieten und seien deshalb zeitlich eingeschränkt. «Für eine Frau wasche ich aber auch die Wäsche. Und eine Helferin hat für Franz Maar, einer unserer betreuten Personen, sogar einmal gekocht als es ihm nicht gut ging», berichtet Held.

Bereits Krisen überstanden 
Dr. Franz Maar lebt in Emmishofen. In seinen jüngeren Jahren war er geschäftlich auf der ganzen Welt unterwegs, traf Politiker und Wirtschaftsgrössen. Deshalb spricht er mehrere Sprachen, unter anderem Türkisch und Japanisch. Während er ein paar Sätze in diesen beiden Sprachen sagt, zeigt er einen alten Presseausweis und «Beweisfotos» aus vergangenen Tagen, worauf er mit deutschen Politikern zu sehen ist. «Ich kenne mich mit Pandemien aus. Während meinen Besuchen im Kongo und umliegenden Ländern hat mich zwei Mal Malaria erwischt», erzählt Maar und zieht ein Foto mit einem bewirtschafteten Feld auf dem afrikanischen Kontinent darauf hervor. Er sei vor einem Jahr, beim Ausbruch von Corona, auf «Kreuzlingen hilft» gestossen und sei für dessen rasche Hilfe dankbar. Er wisse nicht, wie er sonst an Nahrungsmittel gekommen wäre. Unterdessen sei er wieder fit und flitze bei jedem Wetter mit dem E-Bike herum.

«In einer Institution hat mich ein Einsatz dazu bewogen, dort jetzt Freiwilligenarbeit zu leisten. Wenn wir einander mehr Aufmerksamkeit und etwas Zeit schenken, gibt es weniger einsame Personen», sagt Held. Sie sei dafür, dass «Kreuzlingen hilft», als zentrale Anlaufstelle, auch nach Corona, weiterhin bestehen bleibe. Denn das Alleinsein und die Einsamkeit, vor allem älterer und kranker Personen, würde ja nicht abnehmen.

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One thought on “Viel mehr als nur ein Einkauf

  1. Zeljka Blank Antakli

    Liebe Frau Held
    Für Ihr gosses Engagement für „Kreuzlingen hilft“ möchte ich Ihnen ganz herzlich danken. Ohne Ihre grosse Unterstützung hätten wir die zahlreichen Anfragen nicht bewältigen können. Menschen wie Sie haben in der Corona Krise aufgezeigt, wie wichtig gesellschaftlicher Zusammenhalt ist. Ihrer Anregung „Kreuzlingen hilft“ auch weiterhin aufrecht zu erhalten kann ich nur zustimmen.
    Zeljka Blank Antakli, Kreuzlingen hilft

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