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Massivster Umsatzeinbruch der Firmengeschichte

Bodensee – Der verordnete späte Saisonstart, Abhängigkeiten von Covid-Verordnungen zweier Staaten sowie die anfänglich wenig akzeptierte Maskenpflicht auf den Aussendecks führte zum massivsten Umsatzeinbruch der Firmengeschichte der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG. Dank Kurzarbeitszeit- und Härtefallentschädigungen beträgt der Unternehmensverlust rund CHF 420'000 und ist kurzfristig verkraftbar.

«Nicht alles war trübe in der Saison 2021», sagt Geschäftsführer Remo Rey. (Bild: zvg)

Im Geschäftsjahr 2020 resultierte knapp 2,8 Millionen Franken. Umsatz aus dem Kursschifffahrtsverkehr. Dies entspricht einem Rückgang von 1,7 Millionen Franken. respektive 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Mischung aus pandemiebedingten Verordnungen ist Grund dafür: Saisonstart nach allen Feiertagen, Grenzschliessung zu Deutschland, Maskentragpflicht auf den Aussendecks, fehlende Gruppen-, Sonder- und Extrafahrten sowie Saisonabbruch aufgrund Reisebeschränkungen in Deutschland. Insbesondere im heissen August hatten die Touristen keine Lust eine Maske im Freien zu tragen und blieben der Schifffahrt abspenstig. Nur rund die Hälfte der Passagiere eines durchschnittlichen Augusts wurden gezählt. Das geplante Kursschifffahrtsangebot auch im September aufrecht zu halten, wurde mit soliden Frequenzen im Herbst belohnt. Insgesamt musste die URh jedoch einen Rückgang von 47 Prozent auf total 185’676 Passagiere hinnehmen.

Grösster Umsatzeinbruch der Firmengeschichte
Der Unternehmensverlust konnte mittels Entschädigungszahlungen für 100 Prozent Kurzarbeit während fast sechs Monaten, periodenfremde Erträge, Miet- und Honorarverzicht von Partnern sowie Härtefallentschädigungen auf 420’652.16 Franken begrenzt werden. Innert kürzester Zeit wurde so die hart erarbeitete Eigenwirtschaftlichkeit aus den Sanierungsjahren zu Nichte gemacht. Die EBITDAZielgrösse von durchschnittlich 700’000 Franken wurde um eine Million Schweizer Franken verfehlt. Wodurch der URh zukünftig Eigenmittel für Investitionen und zur Überwindung von wasserstandsbedingten Ertragsschwankungen fehlen. Die finanzielle Situation bleibt weiterhin angespannt.

Verwaltungsratspräsident Sönke Bandixen meint dazu: «Als erstes geht unser Dank an die Mitarbeitenden der URh, welche mit grossem Lohnverzicht im 2020 wesentlich zur Fortführung der URh beigetragen haben. Zudem danken wir den politischen Behörden und nationalen Politikern der Kantone Thurgau und Schaffhausen sowie unseren Partnern und den Passagieren für ihre Solidarität und die weitere Unterstützung im herausfordernden Jahr 2021.»

Kreative Massnahmen begeisterten
«Nicht alles war trübe in der Saison 2021», sagt Remo Rey, Geschäftsführer, an der BilanzMedienkonferenz in Schaffhausen. Dabei erwähnt er einen der schönsten Momente des vergangenen Jahres: Die Sternfahrt unter Freunden anlässlich der Grenzwiedereröffnung zwischen der Schweiz und Deutschland. Während des ersten Lockdowns lancierte er gemeinsam mit dem Förderverein URh das Gesellschaftsspiel Schiff Ahoi. Familien konnten die Region Untersee und Rhein während des Lockdowns zu Hause entdecken und wurden auf die spätere Schiffsreise vorbereitet. Bis Ende 2020 verkaufte die URh 950 der tausend produzierten Spiele. Eine Alternative zu den eigenen vier immer gleichen Wänden bot die URh mit dem Schiff-Hotel MS Konstanz. Kurzfristig lancierte die URh auf den Sommer hin gemeinsam mit der Brauerei Falken das Fiirobig-Schiff. Heimische Braukunst, frische Luft und gute Gesellschaft ermöglichten Abwechslung zum pandemiegeplagten Alltag. Rund 300 Passagiere nutzen das neue Angebot.

Faktische Grenzschliessung führt zu schwachem Saisonstart 2021
In der Annahme fehlender Touristen am deutschen Untersee und mässigem Passagieraufkommen in der frischen Frühlingszeit reduziert die URh den Fahrplan im Frühjahr 2021. Bis an Pfingsten bietet die URh ein Kursschifffahrtsangebot von Donnerstag bis Sonntag an. Danach starten die täglichen Kurse zwischen Schaffhausen und Kreuzlingen. Dieser Entscheid ermöglichte die spätere Anstellung von Saisonniers und reduzierten Einsatz der Stammmannschaft, was wiederum einen positiven Effekt auf die Kosten hat.

Die Covid-Verordnungen Baden-Württembergs verunmöglichen aktuell rein touristisch ausgerichtete Reisen, was für die URh faktisch einer Grenzschliessung gleichkommt. Dazu Remo Rey, Geschäftsführer: «Leider konnten wir so zum Saisonstart 2021 wiederum nur die Schweizer
Landestellen bedienen», und er führt weiter aus: «unseren Gästen empfehlen wir aktuell eine
Kombination von Velotour oder Wanderung mit der Schifffahrt. Dafür haben wir auf unserer Website extra Tourenvorschläge zusammengestellt». Bis Ende April ist die Velo-Mitnahme auf den URhKursschiffen zudem kostenfrei.

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