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«Der Stoff hat es in sich»

Kreuzlingen - Das See-Burgtheater zeigt in diesem Sommer das Musical «Die Schweizermacher» auf der Bühne am See. Als Musical über ein noch immer aktuelles Thema. Premiere feiert das Stück am 15. Juli.

Astrid Keller, Leopold Huber und Damian Hitz. (Bild: Kurt Peter)

Ein Meilenstein der Schweizer Filmgeschichte kommt auf die Bühne am See: «Die Schweizermacher» von Rolf Lyssy aus dem Jahr 1978 gilt noch heute als erfolgreichster Schweizer Film. Doch es ist das Musical, das 2010 in Zürich uraufgefürt wurde, welches das Theater rund um Regisseur Leopold Huber aufgreift und neu inszeniert. «Das ist die Basis», sagt Astrid Huber als eine der Hauptdarstellerinnen und Co-Intendantin des See-Burgtheaters. «Mit dem Film, den in der Schweiz wohl jeder kennt, ist das Stück also nicht zu vergleichen».

Ganz bewusst das Musical ausgesucht

«Rolf Lyssys Film war der erste, den ich zusammen mit Astrid Keller in St. Gallen gesehen habe», blickt Leopold Huber auf seine ersten Tag und in der Schweiz und seine Beziehung zu Astrid Keller zurück. Und er habe nicht verstanden, weshalb die Schweizer diesen Film so lustig fanden. «Ich war sehr neugierig, diesen Stoff anzugehen, dieses doch gewichtige Thema mit den Mitteln der Komödie aufzugreifen». Huber, selbst eingebürgert, sagt, dass «sich das Einbürgerungsverfahren geändert hat, nicht aber der Hintergrund».

Gerade in der Bodenseeregion mit der Grenznähe habe das Stück seine Griffigkeit. «Die Idendität der Schweizer begreift sich über die Fremden», sagt er weiter. Am Film habe sich das See-Burgtheater nicht orientieren wollen. Er habe bewusst das gleichnamige Musical ausgesucht, ein witziges Buch mit witzigen Texten und guter Musik von Markus Schönholzer.

Ein Wohnblock für alle Szenen

Die Fremdenpolizisten Max Bodmer und Moritz Fischer entscheiden, wer das Bürgerrecht erhält und nehmen jeden Aspiranten gründlich unter die Lupe. Diese geben sich Mühe, büffeln Schweizerdeutsch wie der Psychiater Helmut Starke und Frau, fahren nicht an eine Gewerkschaftsdemo wie der Italiener Francesco Grimolli, machen Fondue und im Film wandert auch schon mal eine Banknote in die Tasche von Max Bodmer. Wie aber sollen sie sein, die idealen Schweizer Bürger?

Auch heute noch sei die Einbürgerung ein aktuelles Thema, so Leopold Huber. ein Thema, mit dem man sich auseinandersetzen müsse. Dazu passt das Bühnenbild, entworfen von Damian Hitz. «Es ist ein typisch Schweizer Wohnblock aus den 1960er, 1970er Jahren. Und damit verbunden die Frage: Wen lässt man hinein», erklärt der Bühnenbildner. Der Wohnblock auf der Bühne nimmt sie alle auf: Die serbische Tänzerin, den italienischen Bäcker, den deutschen Psychiater, die Polizei, das Stadthaus. Ein zusätzlicher Reiz bestehe darin, das Stück in der Zeit des Films zu inszenieren.

Natürlich mit Schutzmassnahme

«Schauspieler heute müssen alles können», sagt Leopold Huber. Das Ensemble besteht aus 14 Schauspielerinnen und Schauspielern, «die alle Rollen spielen». Dazu kommt eine fünfköpfige Band mit Keybord, Schlagzeug, Gitarre und Bass unter der musikalischen Leitung von Philippe Frey, der die Gesangseinlagen des Ensembles zusätzlich mit dem Piano begleitet. «Die ersten Proben liefen vielversprechend, ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit auf der Bühne, so Huber. Die passende Choreografie stammt aus der Feder von Tänzerin und Choreographin Robina Steyer.

Mit dem Bühenbau soll Anfang Mai begonnen werden, dann folgen die Proben. Wie im letzten Jahr gelten auch bei der Produktion 2021: Proben und Vorstellungen finden ausschliesslich unter Einhaltung aller geforderten Schutzmassnahmen statt. Das bedeutet den geordneten Einlass, reduzierte Zuschauerzahl und viel Platz auf der Tribüne. Für das See-Burgtheater sei es wichtig, dass «es für die Zuschauer nicht nur ein unterhaltsames, sondern auch ein sicheres Theatererlebnis direkt am Kreuzlinger Seeufer wird». 20 Vorstellungen stehen auf dem Terminplan, Premiere ist am Donnerstag, 15. Juli.

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