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14 Quadratmeter Geschichte

Kreuzlingen – Das kleinste Museum der Stadt Kreuzlingen passt in einen Frachtcontainer und steht am Schifffahrtshafen.

Stadtpräsident Thomas Niederberger. (Bild: Inka Grabwosky)

Direkt am Kreuzlinger Hafen gibt es einen neuen Aussichtspunkt. Eine Treppe führt vier Meter hoch auf einen Stahlcontainer mit einer Reling auf dem Dach: «Hier oben im Liegestuhl beim Fantastical-Feuerwerk – das wär’s», witzelt Thomas Niederberger. Unrecht hat der Stadtpräsident natürlich nicht, doch die eigentliche Attraktion verbirgt sich unter der Aussichtsplattform. «Wir sind stolz, neben unseren drei bestehenden Aushängeschildern – dem Rosenegg- und dem See-Museum und dem Planetarium – nun noch ein weiteres Museum beherbergen zu dürfen», so Niederberger. Auf knapp 14 Quadratmetern kann man in die Verkehrsgeschichte des Bodenseeraums vom Mittelalter bis heute eintauchen. Der See erhebt sich dafür für einmal aus seinem Becken und bildet einen seeförmigen Schaukasten. Durch Gucklöcher kann man einen Blick zurück in die Geschichte werfen. Von Kreuzlingen nach Lindau reist man innerhalb des Containers rund vier Meter weit.

Rolf Müller von Thurgau Tourismus verweist bei der Eröffnung auf die lange Entwicklung, die zum Mini-Museum am Hafen geführt hat. Alles begann, als 2015 die «Grand Tour of Switzerland» lanciert wurde, die entlang von touristischen Sehenswürdigkeiten durch das Land führt. «Sie soll so legendär werden wie die Route 66 in den USA oder die Gardenroute in Südafrika», so Müller. Um die Reisenden zum Anhalten zu bringen und so Umsatz für das Gastgewerbe zu generieren, muss es spezielle Attraktionen geben. «In Romanshorn wollten wir dabei das Thema Verkehrsgeschichte aufarbeiten». Die Stadt hat als Verkehrsknotenpunkt viel zu bieten. Hier wurden schliesslich im 19. Jahrhundert die Dampftrajektfähren erfunden, um ganze Eisenbahnwaggons zwischen Lindau und Romanshorn zu transportieren. Doch die Initiatoren suchten Partner, um den gesamten Bodenseeraum abdecken zu können. Auch zum Zeppelin, dem Lindauer Boten, den Dornier- und den Saurer-Werken oder zur Pfänderbahn kann man viel erzählen.

Kreuzlingen leistete ebenso wie Romanshorn, Bregenz, Konstanz, Friedrichshafen und Lindau einen Beitrag zur Gesamtinvestition von 160.000 Franken. Nun gibt es die Belohnung für den 5000-Franken-Anteil: Besucher blicken direkt am Schauplatz des historischen Geschehens auf alte Aufnahmen von der Nordostbahn, vom Roten Arnold, von der Eröffnung des Bahnhofs in Konstanz, vom Dampfschiff Arenaberg oder von der Kunstgrenze. Jeweils ein Satz erläutert die Fakten knapp.

Zweite Station nach Romanshorn
So aufwändig der Container gestaltet ist, so einfach war das Aufstellen auf dem Hafenvorplatz. Ein Sattelschlepper lieferte das Museum vergangene Woche an, das Geländer wurde angeschraubt, der Strom angeschlossen, und schon konnten sich die Türen öffnen. Nicole Esslinger, die als Geschäftsführerin von Kreuzlingen Tourismus direkt neben dem Container Gäste informiert, ist begeistert: «Die Lage ist super», sagt sie. «Hier direkt am Bodenseeradweg fahren jedes Jahr 300 000 Velo-Touristen entlang. Jeder stoppt hier gerne für den Seeburgpark und den Hafen. Nun haben wir noch ein weiteres Highlight».

Zwei Jahre war der Erlebniscontainer in Romanshorn aufgestellt. Zwei Jahre wird er nun am Kreuzlinger Schifffahrtshafen bleiben. Nachts schliessen sich die Türen, und auch die Plattform ist dann nicht betretbar. Rollstuhlgängig ist der Container aufgrund der Enge nicht.

Inka Grabwosky

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