/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

18 und Bootseigner

Kreuzlingen – Der Lehrling Adrian Zanardelli hat den Traum eines eigenen Schiffs in die Tat umgesetzt. Anstelle das Boot eines Kunden zu verschrotten, machte er es in seiner Freizeit wieder fahrtüchtig. Der Prozess wird in seine Abschlussarbeit hineinfliessen.

Adrian Zanardelli, Lehrling und bereits Schiffseigner. (Bild: Sandro Zoller)

«Ich hatte schon immer eine Faszination für Boote und das Schiffshandwerk. Zudem verbringe ich seit jeher einen grossen Teil meiner Zeit am und im Wasser», sagt Adrian Zanardelli aus Bottighofen. Er macht eine Ausbildung zum Bootsfachwart EFZ und ist im zweiten Lehrjahr bei der Bootswerft Marcel Gasser in Kreuzlingen. Während andere mit 18 gerade einmal den Fahrausweis in der Tasche haben und mit etwas Glück einen kleinen Occasion-Wagen besitzen, ist er bereits stolzer Besitzer eines eigenen Boots. Aber wir sprechen hier nicht von einem Schiff, das frisch herausgeputzt über die Ladentheke geht, sondern von einem Wasserfahrzeug, das Zanardelli mit seinen eigenen Händen wieder fahrtüchtig gemacht hat.

Was war zuerst da, das Ei oder das Huhn?
Die Frage aller Fragen, was denn nun zuerst da war, die Idee oder das Boot, kann der Lehrling aus Bottighofen nicht abschliessend beantworten. Das Interesse an einem eigenen Boot bestand zwar schon lange, aber wirklich aktiv ging er der Sache nicht nach. Denn schlussendlich ist ein Schiff ein teures Unterfangen, beim Kauf und nachher bei der Instandhaltung und Lagerung. Seine Ausbildung war sicherlich der Katalysator dieses Projektes. «Die Scand 26, Baujahr 1991, kam zur Sanierung in die Werft. Nachdem der Motor draussen war und einen besseren Blick auf die Ölwanne und Umgebung ermöglichte, konnten die Kosten effektiv festgehalten werden. Dies war dem Kunde zu teuer», erklärt der Bootsfachwart in Ausbildung. Der Lehrlingsausbilder und Inhaber der Werft, Marcel Gasser, sei auf ihn zugekommen und fragte, ob er Interesse an diesem Schiff und dessen Refit hätte. Er überlegte es sich nicht lange und sagte zu. Denn diese dargebotene Möglichkeit wollte er ergreifen.

Generalüberholung in Eigenregie
Der komplette Spiegel, das flache Heck des neun Meter und 2,3 Meter breiten Boots, musste ersetzt, das Unterwasser, der untere Teil des Schiffs, von der Osmose befreit und die Ölwanne auf Vordermann gebracht werden.

«Bei einer Osmose bilden sich am Unterwasser Luftblasen durch Eindringen von Wasser und Feuchtigkeit. Mit der Zeit beeinträchtigt das natürlich das Schiff», so Zanardelli. Deshalb habe er zuerst das Boot auf den Kopf stellen müssen und das Unterwasser bis auf das Laminat heruntergeschliffen. Dabei seien etwa 40 grössere Löcher zum Vorschein gekommen. Nachher habe er alles mit heissem Wasser in drei Runden abgespritzt, um die Säure zu entfernen. Die Löcher habe er wieder laminiert und zwei Mal mit Epoxidharz überzogen, damit eine grosszügige Schicht zum Schleifen entstand. Nach neunmaligem Beschichten des Unterwassers mit VC Tar2 Epoxy Grundierung seien hunderte kleine Löcher immer noch nicht verschwunden. «Mein Lehrmeister hat mir empfohlen, sie alle mit Spachtel zu schliessen. Ansonsten würde mich dieses Problem irgendwann einholen», sagt der Bootsrestaurator. Etwa 90 Prozent der Löcher habe er erwischt. Für mehr fehle ihm auch zudem die Zeit. Denn am Samstag muss er den Platz in der Halle für eintreffende Kundenaufträge freigeben. Die meiste Arbeit habe das Schleifen für sich eingenommen, etwa 60 Prozent. Ein grosser Zeitfresser sei zudem der Spiegel gewesen. Er war vollkommen faul und musste komplett ersetzt werden.

Der V8 Yamaha Motor mit 300 PS sei noch intakt und abgesehen von neuen Zündkerzen, Abdichtungen und ein paar Verschleissteilen, werde er wieder komplett ins Boot gesetzt. Die Motorenteile habe der Mechaniker speziell in Japan bestellt. Dieser müsse noch etwas daran vornehmen, dann komme beretis der Motorenservice an die Reihe. «Mangels Zeit, nehme ich diesen direkt im Boot vor», sagt der Lehrling.

Reichlich Schweiss und Muskelkraft
Während eines Rundgangs zwischen dem Boot, Motor und den ausgebauten Elementen verdeutlichte er den grossen Arbeitsaufwand: «Seit Januar bin ich so gut wie jeden Abend drei Stunden, am Wochenende und in den Sportferien am Scander 26 zugange gewesen. Jetzt, kurz vor dem Ende, hoffe ich, dass alles dicht ist.» Auch wenn der Mechaniker und der Lehrmeister ihm hier und da unter die Arme gegriffen haben, sei viel ohne Aufsicht von statten gegangen. Damit das Boot im schlimmsten Fall beim Einwassern nicht sinken würde, gäbe es an Land bereits einen Test. Dazu werde der Motor gestartet und mit einem Schlauch das Kühlwasser eingelassen. «So sehen wir gleich, ob es irgendwo noch ein Leck hat.» Selbstverständlich hoffe er das nicht, nach rund 320 Stunden vollem Einsatz. «Ohne Fleiss, kein Preis. Nichts fällt einfach so vom Himmel», sagt Zanardelli lächelnd.

Wenn alles rund laufe, sollte einer Einweihungsparty morgen Samstag nichts mehr im Wege stehen, so der Bottighofer: «Dazu fehlen nur noch die LEDs in der Kabine und ein Probehören der eingebauten Musikboxen». Diese beiden Elemente seien nicht nur für die gute Laune da, sondern auch, um den klassischen Look des Schiffs mit einem modernen Touch aufzulockern.

Das Boot sei noch länger nicht komplett überholt. Doch dafür sei auch nächstes Jahr noch Zeit. Jetzt wolle er einfach auf dem See herumcruisen, kühle Getränke servieren und von der Badeplattform in den Bodensee springen.

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