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Geld fliesst, Verkehr stockt

Bottighofen – Die Bottighofer Bürgerinnen und Bürger hatten vergangenen Mittwochabend über Kreditanträge in Höhe von 1,3 Millionen Franken zu entscheiden. Finanziell kann sich die Gemeinde am See die Investitionen leisten: 2020 nahm sie einen Ertragsüberschuss von rund einer Million Franken ein.

«Sachbeschädigungen haben uns zur Installation von Überwachungskameras am Hafen bewogen», erklärte Matthias Hofmann (rechts). (Bild: Emil Keller)

«Wir können finanziell auf ein erfreuliches Jahr 2020 zurückblicken», eröffnete Gemeindepräsident Matthias Hofmann die Rechnungsversammlung im Dorfzentrum Bottighofen. Grund hierfür war ein Ertragsüberschuss von 1’028’688 Franken. Raphael Lüscher vom Ressort Finanzen erläuterte im Detail, wie es zu dieser recht grossen Abweichung vom Budget gekommen war. Denn für 2020 hatte die Gemeindebehörde eigentlich mit einem Verlust von knapp 500’000 Franken gerechnet. Ausserordentlich hohe Grundstückgewinnsteuern von knapp 350’000 Franken sowie eine einmalige Steuerrückzahlung einer juristischen Person in Höhe von 300’000 Franken, liessen nicht vorhergesehenes Geld in die Gemeindekasse fliessen. Zudem verzeichnete die Gemeinde höhere Rückzahlungen bei ausstehenden Sozialleistungen. Dies führte zu sinkenden Ausgaben im Bereich Fürsorge.

Weniger Einnahmen gab es aufgrund der Corona Pandemie durch die Vermietung des Dorfzentrums. Den Pächtern der Badi Röösli wurde aufgrund der schwierigen Situation zudem die gesamte Miete für 2020 erlassen.

Sorgenkind Yachthafen
Die Spezialfinanzierungen, welche in der Gemeinde für eine ordentliche Versorgung durch Wasser, Gas und Elektrizität sorgen, sind mit teils einer Million Franken Reserve sehr gut ausgestattet. Aus der Versammlung gab es dann auch Stimmen, welche nach einer Reduktion der Gas- und Wasserpreise verlangten. Gemeindepräsident Matthias Hoffmann versprach, über die Bücher zu gehen und allenfalls Vergünstigungsmöglichkeiten für die Bewohnerinnen und Bewohner auszuloten.

Einzig die Spezialfinanzierung des Yachthafens ist seit Jahren im Minus. Obwohl während der Pandemie mehr Auswärtige den Hafen in Anspruch nahmen und die Einnahmen aus den Gästeplatzgebühren um 50 Prozent anstiegen, wies die Spezialfinanzierung wiederum einen Verlust von 6203 Franken aus. Grund dafür war die Installation von Videokameras, nachdem es im Hafengebiet zu teil kostspieligem Vandalismus gekommen war. Von der Geschäftsprüfungskommission hat die Gemeindebehörde nun den Auftrag gefasst, langfristig eine Null beim Hafen anzupeilen.

Mit den Zahlen waren die Anwesenden zufrieden und wiesen den Gewinn dem Eigenkapital zu, welches mittlerweile auf stattliche 18 Millionen Franken angewachsen ist. «Könnte man für die nächsten Jahre nicht eine Steuersenkung ins Auge fassen?», war die nahe liegende Frage aus der Versammlung. Die Gemeindebehörde sei derzeit daran, einen Finanzplan auszuarbeiten. «Dann sehen wir, wo die Reise in den nächsten zehn Jahren hingeht und können entscheiden, wie hoch der Steuerfuss sein muss», antwortete Gemeindepräsident Hofmann.

Danach galt es die Sanierung der Gottfried Kellerstrasse sowie die Erneuerung von zwei Trafostationen gutzuheissen. Die 48 anwesenden Stimmbürgerinnen und Stimmbürger schenkten der Behörde ihr Vertrauen und genehmigten alle geplanten Investitionen in einer Gesamthöhe von 1,3 Millionen Franken.

Krankenwagen im Stau
Abschliessend liess Einwohner Thomas Debrunner bezüglich der Verkehrssituation in der Gemeinde ordentlich Dampf ab. «Unsere Gemeinde hat ein riesen Verkehrsproblem, welches mindestens weitere zwei Jahre so andauern wird», so Debrunner. Er habe beobachtet, dass teilweise nicht einmal mehr der Krankenwagen durch die verstopfte Hauptstrasse komme und lokalisiere den Grund dafür in der Sanierung der Kreuzlinger Romanshornerstrasse. «Das Verkehrsproblem bestand schon vor den Bauarbeiten», sagte Hofmann und erklärte, dass die Gemeindebehörde bereits in Kreuzlingen und beim Kanton vorstellig geworden sei. «Wir stossen auf offene Ohren, nur passiert leider nicht viel», sagte Hofmann ernüchternd. Für Debrunner eine unbefriedigende Antwort: «Wenn die Verantwortlichen nichts unternehmen, müssen wir Bottighofer selbst intervenieren». Sonst stehe der Stau bald bis nach Altnau.

Emil Keller

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