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Kunst macht Schule

Kreuzlingen – Im Museum Rosenegg ergänzen Jugendliche der Sekundarschule Remisberg die Ausstellung «Hüben und Drüben» im alten Luftschutzkeller.

Künstlerin Isabelle Krieg, Lehrerin Maria Fehr und Kulturagentin Betina Eberhard haben gemeinsam die Ausstellung im Luftschutzkeller im Museum Rosenegg organisiert. (Bild: Inka Grabowsky)

«Oft stellen wir ja Künstler aus, die längst verstorben sind. Es ist schön, dass es nun frische Impulse bei uns gibt». Museumsleiterin Yvonne Istas freut sich bei der Vernissage der Ausstellung «Grenzerfahrungen» über die vielen jungen Leute in der Rosenegg. Die Klasse G1b der Sekundarschule Remisberg hat in den vergangenen drei Monaten Kunstwerke geschaffen, die nun im alten Luftschutzkeller die bestehenden Exponate zur Grenze zwischen Kreuzlingen und Konstanz ergänzen.

Kulturagent.innen.ch macht’s möglich
Möglich gemacht hat das ein Programm zur Kulturvermittlung an Schulen, das die Mercator Stiftung ins Leben gerufen hat. Kulturagenten und -agentinnen gehen dafür einmal wöchentlich in «ihre» Partnerschule und unterstützen die dortigen Pädagogen bei der Umsetzung von grösseren oder kleineren Projekten. Ziel sei es, für die Jugendlichen künstlerische Prozesse erfahrbar zu machen, erklärt Agentin Bettina Eberhard. Am Schulzentrum Remisberg brachte sie deshalb die Klassenlehrerin der G1b Maria Fehr und die Kreuzlinger Künstlerin Isabelle Krieg zusammen. Krieg stellte den 16 Schülerinnen und Schülern die Aufgabe zu «Grenzerfahrungen» zu arbeiten.

Die naheliegende Landesgrenze blieb dabei im Hintergrund. «Sie spielt im Leben der Jugendlichen gar keine so grosse Rolle», meint die Künstlerin. «Mir ging es um persönliche Grenzen, die einengen oder auch schützen». Um diese Grenzen wahrzunehmen, machten die Teenager zunächst bei einem Waldtag und einer Wanderung kunstspezifische Übungen. «Jeder sollte zum Experten für sich selbst und sich bewusst werden, dass man über Kunst eigene Gefühle ausdrücken kann». Ob sie Zeichnungen, Collagen, Installationen oder Skulpturen gestalten wollten, war den Jugendlichen freigestellt. Über viele Wochen haben sie jeweils den Mittwochvormittag der Kunst gewidmet – oft über den Unterricht im bildnerischen Gestalten hinaus. «Es war faszinierend zu sehen, wie ihr völlig vertieft in eure schöpferische Arbeit wart», sagt Maria Fehr an ihre Schülerinnen und Schüler gewandt. «Wir haben euch herausgefordert und Kreativität gesehen, die sonst im Schulalltag vielleicht etwas zu kurz kommt».

Was hängt wo?
Einige der entstandenen Werke würden gut für sich allein stehen können, andere gewinnen im Zusammenhang mit der Dauerausstellung «Hüben und drüben» an Brisanz. «Es war nicht einfach, den jeweils besten Ort für jedes der Werke zu finden», erklärt Yvonne Istas. Die Schüler und Schülerinnen hatten dabei ein Mitspracherecht. Doch einige Plätze waren unumstritten: Leif Weymann hat sich mit der Situation von Konstanzern und Kreuzlingern während der Corona-Grenzschliessung auseinandergesetzt. Seine sich fassenden Hände mussten natürlich am ausgestellten Grenzzaum installiert werden.

Jusuf Ziberis Skulptur «Übertreiben» aus einem Stapel von Lebens-und Genussmitteln ergänzt ideal die Einkaufswagen, die den Einkaufstourismus in der Region thematisieren. Liyana Saryans «Einzigartig normal» passt perfekt auf die Funkanlage neben die Gasmaske. Die Schülerin Sumeja Aziri, die mit ihrem Relief «Nein» sehr passend im Raum mit den Grenzschicksalen präsent ist, spricht für viele ihrer Mitschüler, wenn sie sagt: «Aus kleinen Ideen sind grosse Sachen geworden, auch durch die Hilfe von Frau Krieg und Frau Fehr. Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis und damit, wie wir uns gegenseitig unterstützt haben».

 Inka Grabowsky

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