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Zurück ins Leben

Kreuzlingen – Die Stiftung Wohngemeinschaft Mühligässli in Bottighofen ist umgezogen. Neu befindet sie sich unter dem Namen WG Landhaus in Kreuzlingen. Am Montag fand die Einweihung statt.

Dr. med. Gudrun Heck (links) und Sandra Akman. (Bild: Sandro Zoller)

«Wir wollten uns weiterentwickeln. Deshalb suchten wir nach neuen Räumlichkeiten», erklärte Dr. med. Gudrun Heck, Geschäftsführerin der Wohngemeinschaft (WG) Landhaus, anlässlich der Einweihungsfeier an der Nationalstrasse 14. Die WG Mühligässli in Bottighofen sei für ihr jetziges Wohnkonzept zu klein geworden. Im traditionsreichen Gebäude «Landhaus», in unmittelberer Nähe zum Hauptbahnhof, hätten sie die perfekten Rahmenbedingungen für ihr Vorhaben gefunden. Ein weiteres Plus sei der Raum der ehemaligen Gastwirtschaft, welcher grosszügiger gestaltet ist, als die bereits selbst geführte Beiz in Bottighofen.

Individuell gestaltetes Wohnen 
«Hirnverletzte haben keine Lobby. Die Menschen hier bei uns sind aber auch Erwachsene mit einer Lebensgeschichte, einer Familie, Ausbildung und waren einst berufstätig», sagte die Teamleiterin Sandra Akman. Mit ihrer Arbeit wollen sie Menschen, welche unfreiwillig aus dem normalen Leben gerissen wurden, eine Stimme verleihen. Die WG Landhaus bietet betreutes, unterstütztes und begleitetes Wohnen mit integrierter Beschäftigung für Menschen, die zum Beispiel einen Hirnschlag oder ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, an.

«Vorher hatten die Bewohnerinnen und Bewohner für sich alleine ein Zimmer. Nun teilen sie sich zu zweit oder zu dritt eine Dreizimmerwohnung. Das Mitteinander beginnt also nicht erst in den Gemeinschaftsräumen», erklärte Akman während eines Rundgangs. Durch das gemeinsame Wohnen, würden noch mehr kognitive Fähigkeiten gebraucht und Sozialkompetenzen gefördert werden. Zum Beispiel im Wohnzimmer müssten die Bewohner aufeinander zugehen und bei der Gestaltung eine Kompromisslösung finden.

Dieses Konzept sei zwar aufwendiger aber definitv förderlicher. «Man distanziert sich generell immer mehr vom klassischen Heim und spricht den Bewohnern mehr Freiraum und Rechte zu», so die Teamleiterin. All das müsse natürlich bei jeder Person individuell «eingestellt» werden. So hätten die einen keinen Herd in der Wohnung und andere sogar eine laufend zu aktualisierende Einkaufsliste für das selbständige «Shoppen», um danach Besuch oder andere Bewohner zu bekochen. Wenn möglich sei das Ziel, dass die Bewohner eines Tages wieder zurück in ihr einstiges Leben können.

Die Bewohner und das Personal freuen sich auf Gäste. (Bild: Sandro Zoller)

Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen
Im renovierten Wohnhaus finden die Bewohner diverse Möglichkeiten für die Fitness, Unterhaltung und Beschäftigung. «Es ist wichtig, dass sich unsere Bewohner integriert fühlen. Da dies da draussen nicht so einfach möglich ist, erschaffen wir hier angepasste Rahmenbedingungen, die ihnen dies Gefühl vermitteln können.», schildert Akman. So führte der Rundgang auch an einem Fitnessraum vorbei, durch eine Werkstatt bis in den Wohnraum, wo gerade gebügelt und gekocht wurde. Sie seien zertifizierte Technikschrottzerleger. Vor allem Privatpersonen und kleine Firmen würden ihnen Elektroschrott vorbeibringen.

Eine der Bewohnerinnen heisst Claudia Kugler. Sie lebt seit über zehn Jahren in der Wohngemeinschaft und ist froh über den Umzug: «Es gefällt mir besser hier am neuen Ort. Das Gebäude ist grösser und der Standort zentraler.» Jetzt müsse man nur noch hinausgehen und sei mitten im Geschehen einer Stadt. Nebst Musik und Nachrichten am Radio verfolgen, bügle sie gerne. Deshalb sei sie auch für diese Arbeit eingeteilt worden. Beruhigt sei sie zudem, dass sich ihre Katze Shiva sehr schnell eingelebt hat und schon nach draussen geht.

Für Leib und Seele
Mit dem «Büezli» bietet die WG Landhaus nicht nur ein spannendes Arbeitsfeld für die Bewohner, sondern auch ein attraktives Angebot für das Quartier an. Unter der Woche gibt es von 8.30 bis 11.30 Uhr nebst Getränken auch Sandwiches, ofenwarmen Fleischkäse und selbstgemachten Kuchen. «Unsere Spezialität sind aber die venezianischen Cicchetti», sagte Heck und holte ein Tablett mit den Brötchen hervor. Am Freitagmittag wird zudem Birchermüesli und Leckeres aus dem Suppentopf serviert.

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