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Die Stille provozieren

Lengwil – Ruedi Müller macht zu Kunst, was er in die Finger bekommt. Bis auf zwei Ausnahmen: Ein Zifferblatt und das Originaluhrwerk aus der Kirche Oberhofen.

Ruedi Müller und das Zifferblatt, welches seit zehn Jahren an der Fassade hängt (Bild: Kurt Peter)

«Als in den 1960er Jahren eine neue Decke in der Kirche Oberhofen eingebaut wurde, liess man das Uhrwerk aus dem Jahr 1735 einfach liegen», weiss Ruedi Keller, der das Werk samt einem Zifferblatt 2001 zu sich ins Atelier an der Kreuzlinger Strasse holte. Das Uhrwerk steht in der Werkstatt, das Zifferblatt ziert unübersehbar die Fassade des Wohnhauses.

Ausstrahlung wirken lassen
Dass weder Zifferblatt noch Uhrwerk zu Kunst verarbeitet wurden, ist für Ruedi Müller ein Novum. «Denn normalerweise verarbeite ich alles, was mir in die Hände kommt, zu Kunst». Der gelernte Mechaniker befasst sich seit 1995 mit dem Bau von Maschinen, «die keine direkt verwertbaren Güter produzieren, sondern nur ihre Ausstrahlung und ihre Töne auf den Betrachter und Zuhörer wirken lassen», erklärt er. Die beweglichen Skulpturen aus Neuem, Schrott und Verbrauchtem haben, trotz der angestrebten Stille, alle ihr eigenes Klangmuster, Langsamkeit, eigenen Düfte und Farben.

Seit 1995 befinde er sich auf einer Reise, «die mich zu diesen stillen Skulptuhren geführt hat». Es sei die logische Konsequenz aus den vielen Stationen, die er in seinem Leben passiert habe. Ausschlaggebend für die jahrzehntelange Laufbahn als Künstler war seine erste Ausstellung. «Es war 1996 im Kreuzlinger Abendfrieden und die Reaktion der Ausstellungsbesucher war ausgesprochen positiv, die Leute hatten grosse Freude an den Werken», so Ruedi Keller. Inzwischen kann er eine lange Liste an Ausstellungen präsentieren.

Talente der Kinder fördern
Die Stationen: Neben zahlreichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in der Region wurden seine Skulpt-uhren auch in Zihlschlacht, Zürich, Gossau, Romanshorn oder Berlingen, ja sogar in Australien präsentiert. «Ein besonderes Erlebnis war 2017 eine Ausstellung, an der 80 Künstler aus 21 Ländern gleichzeitig, um 11 Uhr Ortszeit, die Vernissage feierten. Verbunden waren wir alle über Internet, so konnten wir uns dann auch zuprosten». Aus Lengwil seien die Grüsse um die ganze Welt gegangen, blickt Ruedi Müller zurück.

Seine Kreativität gibt Ruedi Müller gerne weiter. «Ich mache am Ferienpass der Schulgemeinden Kreuzlingen und Kemmental mit. Die Kinder sind jeweils mit riesiger Begeisterung dabei». Manchmal brauche es zwar einen kleinen Schups, aber dann «schweissen, sägen, gestalten sie mit grosser Freude und mit allen zur Verfügung stehenden Materialien wie Holz, Metall, Filz und so weiter». Allerdings brauche er bei diesen Anlässen Assistenz, «um diesen Schwarm in Zaun zu halten.»

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