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Was wichtig ist im Leben

Kreuzlingen – Mit «Fokus aufs Leben» plant das Open Place unter der Leitung von Benjamin Arntzen eine Fotoausstellung von 60 Laien mit Einweg-Kameras.

Andreas Göldi, Arman Köktemir, Damian Brot und Benjamin Arntzen (v.l.) hoffen auf gute Fotos und gute Begegnungen. (Bild: Inka Grabowsky)

«Ich habe oft als Mittler die Geschichten von Menschen in Bilder gefasst», sagt der Fotograf Benjamin Arntzen. «Nun möchte er die Menschen selbst erzählen lassen, wofür ihr Herz schlägt». Deshalb habe er die Leitung des Projekts des «Open Place» der evangelischen Kirche Kreuzlingen übernommen. 60 Einweg-Kameras wird er an Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Workshop verteilen. Damit sollen sie in einer Woche dokumentieren, was in ihrem Leben wichtig ist. Über Fotografie könne man darstellen, was mit Sprache nicht leicht zu vermitteln sei, so Arntzen. «Wir hoffen auf das, was sonst zwischen den Zeilen steht». Bewusst habe er sich entschieden, nur Schwarz-Weiss Filme einzusetzen. «Erfahrungsgemäss entstehen damit schöne, künstlerische Bilder», meint er.

Aus der Kreativ-Gruppe im Open Place hätten schon viele Interesse angemeldet, sagt deren Leiter Arman Köktemir. Andreas Göldi vom Offenen Atelier der Stiftung Mansio kann auf eine ähnlich gute Resonanz verweisen. Andere Institutionen wie die Offene Jugendarbeit Kreuzlingen, die katholische Frauen- und Mädchen-Sozialarbeit «In Via» oder Projekt «83 Konstanz Integriert» sind ebenfalls mit im Boot. An Aktiven mit unterschiedlichem sozialen und lokalen Hintergrund wird es nicht mangeln. Jeder darf sich anmelden. «Wir wollen Begegnungen schaffen zwischen Menschen, die sonst wenig Berührungspunkte haben», sagt Pfarrer Damian Brot.

Gemeinschaftserlebnis
Fotografieren ist an sich keine Gruppenaktivität. Zunächst aber wird es je einen Einführungsworkshop in Konstanz und in Kreuzlingen geben, in denen das Handwerk des Fotografen kurz erklärt und über die Regeln des Projekts gesprochen wird. Zwar sind die Teilnehmenden völlig frei darin, was sie fotografieren, dürfen dabei aber nur dann Menschen ablichten, wenn diese einverstanden sind. «Anders als bei der digitalen Fotografie kann man nichts mehr verändern, wenn man geknipst hat. Es gibt keinen Filter, keine Löschmöglichkeit», erklärt Projektleiter Arntzen. «Ausserdem ist der Film endlich: Man muss sich überlegen, was es wert ist, aufgenommen zu werden». Die Kameras werden bei einem zweiten Workshop nach einer Woche eingesammelt und die Filme zum Entwickeln gegeben. «Wir tauschen uns dann aus, was wir beim Fotografieren erlebt haben».

Selbst kuratiert
Mit jeder Kamera kann man 27 Bilder machen. 1620 Fotos könnten also entstehen. Aus diesem gewaltigen Fundus sollen die Aktiven selbst eine Ausstellung zusammenstellen, die ab 30. Januar zunächst in der Kirche in Kurzrickenbach und dann nach vier Wochen auch in Konstanz gezeigt wird. «Jeder Teilnehmende darf beim dritten Treffen seine beiden Lieblingsbilder vorstellen», so Arntzen. «Am Ende wollen wir 120 Bilder haben, die auf 20 mal 30 Zentimeter vergrössert werden». Sie sollen in den Betrachtern der Ausstellung Verständnis für den Nächsten wecken. «So eine partizipative Ausstellung ist ideal, um auch in Pandemiezeiten Gemeinschaft zu erleben», sagt Brot. Er hat Erfahrung: Schon bei der Aktion «Arm und Reich» im Winter hatte sich die Kirche Kurzrickenbach kurzzeitig in eine Gemäldegalerie verwandelt. Statt Bänken prägten Stellwände das Kirchenschiff. «Wir haben den Kirchenraum durch die Bilder neu erlebt».

Wer an der Foto-Aktion «Fokus aufs Leben» mitmachen möchte, kann sich unter info@benjaminarntzen.de anmelden. Erster Workshop ist am 3. September in Konstanz oder am 6. September im Open Place in Kreuzlingen, jeweils um 18 Uhr.  

Inka Grabowsky

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