/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

150 Jahre Leidenschaft

Kreuzlingen - «Sternstunden und Höhenflüge»: Das Buch über die Geschichte der Jugendmusik Kreuzlingen beleuchtet nicht nur 150 Jahre Vereinsleben sondern bildet auch die gesellschaftlichen Veränderungen in der Stadt ab.

Die Gründungsformation von 1871. (Bild: zvg)

Zum Jubiläum der Jugendmusik Kreuzlingen haben René Messmer und Andreas Netzle ein 140seitiges Buch zusammengestellt, welches nicht nur auf die Vereinsgeschichte mit zahlreichen Abbildungen zurückblickt, sondern auch ein Bild der vergangenen 150 Jahren der Stadt vermittelt. «Das vorliegende Buch der JMK zeigt am Beispiel des Vereins mit seinen jungen Musikantinnen und Musikanten, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt hat. Die Autoren haben ein Zeitdokument geschaffen, das für den Verein, die Stadt, die Region, den Kanton und die Muskszene der Schweiz Bedeutung hat», schrteibt Präsident Ciril Schmidiger in seinem Vorwort.

Mit Mädchen schwer getan

Gleich zu Beginn der Vereinsgeschichte nehmen Übungsheime und Probelokale ein grosses Gewicht ein. Der Konstanzer Kapellmeister Hensler gründete 1871 eine Musik mit Schweizer Knaben. Die 24 Buben üben auf einer Diele an der Rheingasse in Konstanz. Nach der Schliessung durch die Polizei zügelt die Knabenmusik in ein Übungslokal nach Egelshofen, «wo, ist jedoch nicht überliefert», halten die Autoren fest. 1941 bezieht die Knabenmusik Kreuzlingen das «Übungsheim Felsenburg» auf dem Gaissberg. Es folgen das Schulhaus Rosenegg, das ehemalige Gasthaus Ochsen und schliesslich (1984) die heutige Heimat: das ehemalige Gemeindehaus Egelshofen.

Mit der Aufnahme von Mädchen in der Knabenmusik tut sich der Verein lange schwer. Erstmals wirken Mädchen am Examenkonzert 1967 mit. Fünf Mädchen konzertieren mit 86 Knaben. Dem geht ein schwieriger Aufnahmeprozess voraus. Im Protokoll einer Vorstandsitzung vom März 1966 heisst es: «Nun überrascht uns der Präsident noch mit einem ausgefüllten Anmeldeformular zur Bläserschule. Diese Überraschung erfreut im Allgemeinen nicht, da es sich um das erste Mädchen namens Eggensberger handelt…»

Pullover für fleissige Arbeit

«Sternstunden und Höhenflüge» überzeugt auch durch die zahlreichen Anekdoten aus dem Vereinsleben. Als «grenzwertig» wird zu recht das Anliegen des damaligen Präsidenten Rudolf Gautschi bezeichnet, der sich am 20. April 1942 eine Marschmusik vom Emmishofer Zoll entlang der deutschen Grenze wünschte. Der 17jährige Walter Sauter weigerte sich, zu Ehren Adolf Hitlers mitzumarschieren und wurde von Gautschi kurzerhand aus dem Verein ausgeschlossen. Der junge Klarinettist Hanspeter Schär erhielt 1955 als Belohnung für eifriges Lernen von der Musikkommission einen Pullover. «Er wird Dir selbst nicht passen, aber Du kannst ihn ja Deinem Vater zu Weihnachten schenken».

Das Kapitel «Meister aller Klassen» darf nicht fehlen, wenn die Geschichte der Jugendmusik erzählt wird. Der steile musikalische Aufstieg beginnt 1988 in Interlaken und 1989 in Steckborn. 1992 wagen sich die Kreuzlinger erstmals in die Höchststufe mit Kompositionen der 1. Klasse und erreichen den 2. Platz. 1994 gewinnt die Jugendmusik mit riesigem Vorsprung das 20. Thurgauer Kantonalmusikfest. Es folgen brillante Auftritte am Weltjugendmusik-Festival 1999 und am 3. Deutschen Bundesmusik. Die weiteren Schweizer Meistertitel 2008, 2013, und 2019 werden unter anderem mit sehr komplexen Kompositionen errungen. Zahlreich sind auch die Reisen ins Ausland. Unter anderem reist der Verein 18 mal nach Deutschland, fünfmal misst sich die JMK an der renommierten «Internationalen Musikparade» im niedersächsichen Rastede. Und 1972 geht die erste Flugreise nach England.

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