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Im Einsatz für den Vogelschutz

Kreuzlingen – Der Vogelschutzverein setzt sich mit grossem Engagement und ehrenamtlicher Arbeit für das Wohl der Vögel und der Umwelt ein. Die Kreuzlinger Bucht, die unter anderem als «Important Bird Area» eingestuft ist, bietet zudem ein interessantes Umfeld für Hobby-Ornithologen.

Vizepräsidentin Claudia Schubert, Präsidentin Ulrike Bühler und Protokollführerin Heidi Trachsel (v.l.). (Bild: Sandro Zoller)

«Der Vogelschutzverein Kreuzlingen (VSK) wurde 1916 gegründet und ist somit über 100 Jahre alt», berichtet Protokollführerin Heidi Trachsel. Einst habe er dem Kleintierzüchterverein angehört, wovon er sich abgespaltet habe. Das sei damals gang und gäbe gewesen. Heute gehören dem VSK über 100 Aktiv-, 100 Gönner- und 12 Familienmitglieder an. Sein Einzugsgebiet umfasst nebst Kreuzlingen auch Bottighofen, Lengwil, Gottlieben, Tägerwilen und Triboltingen. Auch wenn die Philosophie die gleiche geblieben sei, habe sich der Aufgabenbereich über die Jahre angepasst und vergrössert. «Früher kümmerte man sich Jahrzehnte lang hauptsächlich um die Brutkästen. Unterdessen beziehen wir auch das Umfeld mit ein», sagt Trachsel zur Vereinsentwicklung.

Umfeld entscheidetüber Fortbestand
Das gesetzte Ziel des VSK sei der Schutz der Vogelarten. Heute bedeute aber Vogelschutz auch, dass man sich für die Erhaltung der Lebensräume einsetze. Denn mangels an passender Brut- und Futterplätze würden viele Vogelarten in Siedlungsgebieten wie auch im Kulturland von der Bildfläche verschwinden. «Wenn Bauern sich häufiger für Extensivweiden und Buntbrachen entscheiden würden, wäre das eine grosse Unterstützung», sagt Ulrike Bühler, seit 2018 Präsidentin des VSK. Durch einen Ornithologie-Kurs sei sie auf den Verein gestossen. Nicht nur die Vielfalt, sondern auch die geniale Anpassung jeder einzelnen Vogelart an ihren Lebensraum fasziniere sie. «Die Schönheit der Natur.»

Wichtige Gartengestaltung
Kreuzlingen lege grossen Wert auf die Förderung der Biodiversität. Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei deshalb erfreulich. Aber auch im privaten Umfeld könne viel erreicht werden. Denn etwa Mauersegler- und Mehlschwalben brüten in der Nähe der Menschen, genauer gesagt in Dachlücken oder sonstigen geschützten Ecken am Haus. Aber Flachdächer und hermetisch versiegelte Wände würden das erschweren. «Manchmal fragen uns Personen an, welches Vogelhaus sie wie aufstellen müssen. Diese Gelegenheit nutzen wir, um den Interessierten aufzuzeigen, dass die Gartengestaltung auch ausschlaggebend ist. Ansonsten ziehen keine Vögel ein», so die Vereinspräsidentin.

Vizepräsidentin Claudia Schubert führt aus: «Beispielsweise sind Schottergärten kein Lebensraum für Insekten. Auch mit dem Roboter gemähte Wiesen sind nicht optimal. Verzichtet man auf Chemikalien und lässt auch nur einige Inseln mit Wiesenblumen stehen, können darin Insekten leben. Wenn es keine Insekten hat, fehlt die Nahrung für Vögel.»

Engagierte Helfer gesucht
Der Verein bestehe aus tatkräftigen Gruppen, welche verschiedene Bereiche untereinander aufteilen. Dazu würden die Betreuung der über 700 Nisthöhlen in Kreuzlingen und Bottighofen, Mitarbeit im Vorstand, Brutvogelzählungen, Schutz der Schwalben- und Mauersegler, Durchführung von Exkursionen, etwa für Schulklassen, Organisation von Kursen mit ausgebildeten Ornithologen und Veranstaltung von Vorträgen gehören.

All diese Aufgabenbereiche könnten natürlich nur abgedeckt werden, wenn genügend Personen sich im Verein einbringen. Deshalb halte man laufend Ausschau nach potenziellen Helferinnen und Helfern. Diese könnten sich bei Vogelzählungen, beim Nisthöhlenreinigen, Pflanzen von einheimischen Hecken oder in der Organisation einbringen. «Wir suchen auch Interessierte, die beim Aufbau einer Jugend-Vogelschutzgruppe helfen – eine interessante aber auch aufwändige und komplexe Aufgabe», sagt Trachsel. Ornithologische Vorkenntnisse brauche man nicht. Wer an Vögel und Umweltfragen interessiert sei, könne sich leicht einarbeiten.

Nur schon eine Mitgliedschaft unterstütze den Verein. Denn die Mitgliederbeiträge würden zur Förderung der Biodiversität und für Vogelschutzprojekte eingesetzt. Mitglieder kämen zudem in den Genuss vieler aktueller Informationen über die Vogelwelt und Veranstaltungen und seien gleichzeitig auch Teil des Thurgauer Vogelschutzes und Birdlife Schweiz.

Abwechslungsreiches Angebot
«Mehrere Veranstaltungen führen wir jährlich durch. Dabei ist zum Beispiel die Wasservogelexkursion zum Thema Zugvögel zu erwähnen. Zu Zehntausenden verbringen sie den Winter am Bodensee», so die Vereinspräsidentin. Gerade deshalb sei das Gebiet um Kreuzlingen, der Konstanzer Trichter und der Untersee als «Important Bird Area» eingestuft worden. Im Mai stünde die Nachtigall bei einer Exkursion am Rhein im Fokus und an Auffahrt gehe es zum frühmorgendlichen Konzert der Vögel in den Lengwiler Wald. Im Oktober fände ein ornithologischer Streifzug, mit Vorstandsmitglied und Exkursionsleiter Heiko Hörster, im Wollmatinger Ried statt. Stefan Werner von der Vogelwarte Sempach referiert am 26. Oktober zum Thema «Starker Wandel der Brutvogelwelt am Bodensee» im Trösch.

Sie lieben die Natur, sind gerne draussen und beobachten mit Freude Vögel? Als Helferin oder Helfer haben sie die Chance ihren Beitrag zum Erhalt der Vogelvielfalt zu leisten. «Denn Vögel sind ein Indikator für den Zustand der Umwelt», so Schubert. Gerne können sie sich mit Fragen per Mail, vs.kreuzlingen@outlook.com, an den Verein wenden oder gleich anmelden. Weitere Infos sind auf www.vogelschutzverein-kreuzlingen.ch ersichtlich.

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