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Für die Kunst und Liebe

Konstanz – Der Syrer Imad Al-khaldi ist studierter Kalligraph und Journalist. Nebst der Kreation von farbenfrohen Kalligraphien erschafft er Düfte, die zum Träumen anregen.

Imad Al-khaldi hat die Kalligraphie weiterentwickelt. (Bild: Sandro Zoller)

«Damit ein Werk nach meinen Vorstellungen entsteht, muss vieles stimmen. Unter anderem brauche ich einen Rückzugsort und eine Geschichte, die aus dem Herzen kommt», erklärt Imad Al-khaldi. Der studierte Kalligraph und ehemalige Journalist aus Syrien hat sich früh in die Schönheit der Kalligraphie verliebt. Denn mit wenigen Strichen sei es möglich, eine Geschichte zu erzählen, Liebe zu teilen und dem Betrachter ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern.

Kunst des schönen Schreibens
Die Reise von der Idee bis zum fertigen Werk gehe zwischen zwei Wochen und zwei Monaten, so der Künstler: «In meinem Herzen muss eine Geschichte wachsen, die ich mit der Welt teilen möchte.» Dazu komme der Prozess des Designs. Denn die Erzählung soll mit dem Visuellen schlüssig sein. Dabei beginne sich jeder Buchstabe in seiner Fantasie zu bewegen bis sie sich zu einer Form gebildet haben.

Wenn das Konzept stehe, gehe es ans eigentliche Schreiben. Dafür brauche er einen Raum der Stille, nur für sich. Er sei froh, dass er mit seinem Atelier solch ein passendes Umfeld gefunden habe. «Beim Schreiben, wird die Luft angehalten. Nur so ist es möglich, dass die Linien den richtigen Druck, die passende Breite und keine Ausreisser einer zittrigen Hand haben», so Al-khaldi. Wenn es darum gehe, etwas symmetrisch zu zeichnen, komme es darauf an, dass die Abstände gleich seien. «Es gibt Schriftzeichen, wo nur ein hauchdünner Spalt zwischen den Linien besteht. Da kann es schnell passieren, dass man die Linien zu nahe aneinander zeichnet.» Natürlich sei es umso ärgerlicher, wenn der Fehler am Schluss geschehe. Und sei der Patzer nicht zu retuschieren, bleibe nur das Wiederholen des Werks übrig.

In gewisser Weise ein Revolutionär
Normalerweise werde mit dunkler Farbe oder einfarbig gearbeitet: «Farben werden höchstens für kleine Elemente genutzt.» 2017 hatte er eine Galerieausstellung in Kirchheim unter Teck. Dazu habe er nach neuen Ideen gesucht, die seinen Stil widerspiegeln. Dabei sei er auf das Farbmischen gestossen. Ein Besucher sei so begeistert gewesen, dass er es erworben habe. Das Erlebnis habe ihn ermutigt, diesen Pfad weiter zu begehen. In gewisser Weise könne man von einer kleinen Revolution reden. Es brauche Zeit, den eigenen Stil zu finden: «Zwei Jahre hat es gedauert, bis ich die Farben so hinbekommen habe, dass sie meinen Vorstellungen entsprechen.» Die Anwendung benötige Geduld. Nach dem Absetzten des Malwerkzeuges müsse exakt angesetzt werden, sonst sei die Linie nicht durchgehend flüssig. Das Verwenden mehrerer Farben, um einen fliessenderen Übergang zu erreichen, habe Tücken.

Im Rausch der Düfte
Sein künstlerisches Schaffen beginnt bei der Kalligraphie, endet aber sicherlich nicht da. Als Parfum Designer verführt er Interessierte in die Welt der Düfte. Der erste Kontakt sei mit dem Duft von Jasmin auf seinem Balkon gewesen. Geprägt habe ihn aber der Duft seiner Mutter – mit oder ohne ein kräftiges Parfum. Rasch sei klar gewesen, dass er in der Welt der Schönheit arbeiten möchte. An die Zeit in Syrien erinnert sich Al-khaldi mit gemischten Gefühlen: «Es war ein Leben zwischen Blumen und Bomben.» Wenn er den übelsten Gestank aus seinen Erinnerungen beschreiben müsste, hiesse dieser «Der Geruch von Angst und Krieg».

Mit den Kreationen will er Wohlbefinden, Freude und Liebe weitergeben. Dies geschehe in Zusammenarbeit mit Herstellern von Düften und Aromen in Grasse oder bei ihm in der Parfümerie «Amoash». Das ist arabisch und bedeutet «Welle». Wellen seien voll Energie, eine Mischung aus Magie, geheimnisvoll mit rebellischen Gefühlen. Dieses Erlebnis könne man bei ihm während der Suche des eigenen Duftes erleben. «Ich habe eine grosse Auswahl an Ölen mit würzig-orientalisch und blumig-fruchtigem Duft, die länger feine Gerüche verströmen, als Parfums aus den Läden. Und wenn ich das Parfum vor dem Kunde fertig mische, ist es ein Erlebnis aller Sinne.» Seine Lieblingsduftnote? Moschus wegen seiner erotischen Sinnlichkeit.

Zur Person hinter dem Künstler
Imad Al-khaldi ist 1978 in Syrien geboren und lebte grösstenteils in Damaskus, wo er auch Bildende Künste und Journalismus studierte – stets umgeben von der Magie des Orients. Die Leidenschaft für Kalligraphie entdeckte er mit 18 Jahren, als er mit dem Studium begann. Als Journalist und Fotograf arbeitete er für die Syrisch-Arabische Nachrichten Agentur (SANA) und war deshalb auch in Dubai und Qatar unterwegs. Der Krieg und daraus erhaltene Verletzungen, bewogen ihn zum Auswandern. Seit 2014 lebt er in Deutschland und seit 2020 in Konstanz, wo seine Frau in der Philharmonie Konstanz musiziert. An der Torgasse 7 hat er ein Atelier und Geschäft für Kalligraphie und Parfums. Die Räumlichkeiten sollen ein Ort der Begegnung und des Austauschs sein.

Kalligraphie lernen
Imad Al-khaldi teilt gerne sein Wissen und seine Erfahrungen mit Interessierten. Wer in die Welt der Kalligraphie eintauchen und das Handwerk erlernen möchte, darf gerne das Atelier besuchen oder eine Mail an imad.alkhaldi@amoash.de senden. Weitere Infos zur Welt der Parfums auf www.amoash.de

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