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Unser Wissen ist Stückwerk

Leserbrief – Brigitta Engeli, Kantonsrätin, aus Kreuzlingen, erhofft sich wieder mehr Akzeptanz für verschiedene Meinungen, denn dies zeichne eine Demokratie aus.

Leserbrief

(Bild: Peter Olexa/Pixabay)

Wenn ich bei der Ausübung meines Berufes eines gelernt habe ist es, dass jeder Mensch gute Gründe hat für sein Handeln. Man muss die Gründe nicht verstehen können, man sollte sie aber respektieren. Dieser Respekt ging in den letzten Monaten zu oft verloren. Respektlos werden Menschen an den Pranger gestellt – respektlos werden Kinder und Jugendliche in die Pflicht genommen – Respektlos werden zusammenhangslose Fakten berichtet, welche die Menschen in Angst und Schrecken versetzen – Respektlos wird mit Fachleuten und Wissenschaftlern umgegangen, die sich ein Leben lang mit der Materie beschäftigt haben – Respektlos werden Gedanken und Meinungen be- und verurteilt, im Anspruch selber richtig zu sein. Viel zu oft haben wir im Zusammenhang mit CoVid-19 Überraschungen erlebt, als dass irgendjemand für sich in Anspruch nehmen könnte, die ganze Wahrheit zu kennen. Dass unser Wissen Stückwerk ist, ist keine neue Erkenntnis. Es erscheint mir extrem anmassend zu meinen, alle müssten sich in einer bestimmten Art und Weise benehmen, denken, entscheiden und handeln. Vielleicht sind wir zu einem späteren Zeitpunkt froh darüber, dass es Menschen gab, die nicht mit dem Strom schwammen. Demokratien zeichnen sich durch Vielfalt und nicht durch Einfalt aus. Die Vielfalt hat uns weitergebracht und Stark gemacht. Wir wissen alle, was mit Gesellschaften geschah, in denen nur eine Meinung die Richtige war. Ich glaube nicht, dass wir uns in diese Richtung entwickeln wollen. Auch während einer Krise lohnt es sich Vielfalt zuzulassen, denn nur so bleiben wir menschlich und können auch nach Corona miteinander weiterleben.

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One thought on “Unser Wissen ist Stückwerk

  1. Ruedi Anderegg

    Liebe Brigitta
    Du sprichst aus, was viele Leute und auch ich schon lange denken und fühlen. Nur wäre es angebracht, Deinen Appell an beide (Befürwprter und Gegner der Massnahmen) zu richten.
    Pöbeleien, Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und Angriffe auf Ordnungshüter gehören nicht in das Repertoire eines Demokraten.
    Hoffentlich nützt Dein Leserbrief etwas. Herzlich Ruedi Amderegg

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