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Die Auseinandersetzung vertiefen

Münsterlingen - Ein «Zeichen der Erinnerung» wird der Regierungsrat an die Opfer der Medikamentenversuche der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen setzen. Entstehen wird das Hauptzeichen auf dem ehemaligen Spitalfriedhof.

Zeichen der Erinnerung. (Bild: zvg)

Historikerinnen und Historiker haben im Herbst 2019 die Ergebnisse ihrer Forschung über die Medikamententests vorgelegt. An der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen hat Klinikdirektor Roland Kuhn demnach zwischen 1946 und 1980 mindestens 67 Prüfsubstanzen getestet. Betroffen waren bis zu 3000 Patientinnen und Patienten.

Einstimmige Siegerin

Im September 2019 beschloss der Regierungsrat des Kantons Thurgau die Errichtung eines thurgauischen «Zeichens der Erinnerung» an die fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 sowie an die Medikamententests in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen. Gleichzeitig wurde ein Beurteilungsgremium mit dem Auftrag eingesetzt, im Einladungsverfahren einen zweistufigen Wettbewerb durchzuführen.

Neun Künstlerinnen und Künstler wurden zum Wettbewerb eingeladen, acht Kunstschaffende nahmen die Einladung an, in der Folge wurden vier Arbeiten ausgeschieden. Am 17. September 2020 kam das Beurteilungsgremium einstimmig zum Ergebnis, dem Regierungsrat das Projekt «Haus der Erinnerung» von Karolin Bräg zur Ausführung zu empfehlen. Der Regierungsrat folgte dieser Empfehlung.

Ein Jahr später fertig

Auf die Wände des kleinen Hauses, das an den Beginn des Weges über den Friedhof zu stehen kommt, schreibt die Künstlerin in ihrer eigenen Handschrift jene Satzteile, die sich als Essenz der Gespräche ergaben. Vom Haus werden dann zwei Teile abgetrennt und als Partnerzeichen an der Psychiatrischen Klinik und in Kalchrain gesetzt. Die Abdankungshalle wird zu einem Dokumentationsort gestaltet, in dem die Auseinandersetzung mit der Geschichte vertieft werden kann.

Der ursprüngliche Zeitplan, das «Haus der Erinnerung» im Frühsommer 2022 einzuweihen, kann allerdings nach Auskunft des kantonalen Informationsdienstes nicht eingehalten werden. «Weil die Parkplatzfrage derzeit noch nicht gelöst und weil die Gasverteilstation, die seinerzeit auf dem Friedhof eingerichtet worden ist, noch verlegt werden muss, kommt es zu einer Verzögerung von einem Jahr», schreibt der Informationsdienst. Ausserdem gehe die derzeitige Planung davon aus, dass wegen der Parkplätze ein paar wenige Quadratmeter Land umgezont werden müssten. «Für das Zeichen der Erinnerung stehen 250’000 Franken aus dem Lotteriefonds zur Verfügung, aus heutiger Sicht reicht der Betrag aus».

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One thought on “Die Auseinandersetzung vertiefen

  1. Walter Emmisberger

    Die Opfer von den Medikamententests von Kuhn und der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen werden im Stich gelassen und niemand kümmert sich um sie, aber für eine historische Aufarbeitung und ein Denkmal ging es sehr schnell und es wurde sofort viel Geld bereitgestellt.
    Walter Emmisberger

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