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«Haben einen Auftrag gefasst»

Kreuzlingen - Nach eifrigen und ausführlichen Diskussionen über die Zukunft der Liegenschaften der evangelischen Kirchgemeinde zeigte die Konsultativabstimmung ein deutliches Resultat: Das Kirchgemeindehaus wird nicht veräussert.

Das Kirchgemeindehaus bleibt im Besitz der Kirchgemeinde. (Bild: Sandro Zoller)

Die Stimmberechtigten der evangelischen Kirchgemeinde mussten am Dienstagabend an einer ausserordentlichen Versammlung zunächst darüber entscheiden, ob im Nebengebäude der Kirche Kurzrickenbach eine Küche eingebaut werden soll. Mit der Nutzung des Nebengebäudes als Küche wird Open Place den Besucherinnen und Besuchern eine wichtige Alltagsunterstützung bieten können. Die bestehende VerwertBar werde durch diese Massnhamen nicht verdrängt, sagte Open Place-Präsident Peter Gysler.

Erflogreiches Fundrising

Er gab zu, dass der Platz sehr eng sei und dass er Räume für ein Materiallager dringend suche. Konrad Schlatter wollte wissen, ob das Café in der Kirche bleibe. «Ja», sagte Kirchenpräsidentin Susanne Dschulnigg, «die Kirche soll offen als Ort der Begegnung genutzt werden». Eine Votantin meinte, dass 50’000 Franken für eine Küche ein ziemlich hoher Betrag sei. Baukommission-Präsident Michael Scheuss erklärte, dass «die Küche selber zwischen 20’000 und 25’000 Franken kosten wird, der Rest der budgetierten 50’000 Franken entfallen auf Baumassnahmen».

Die Küche wird über Fundrising finanziert, 37’000 Franken sind bereits gesprochen. «Wir müssen Open Place als neue Form der Kirche unterstützen, ein Milieu hat hier die Heimat gefunden», sagte Susanne Dschulnigg. Die Stimmberechtigten sprachen sich für die Umnutzung des Nebengebäudes, einer maximalen Defizitgarantie von 10’000 Franken und schliesslich auch für die Eröffnung einer Vorfinanzierung der Küche aus.

Problemfall Heimfall

Rechtsanwalt Jürg Schlatter stellte anschliessend die in den verschiedenen Szenarien zur Zukunft der Liegenschaften aufgezeichneten, rechtlichen Grundlagen vor. Sollte die Kirchgemeinde als Vermieterin auftreten, übergebe sie Liegenschaften zum Gebrauch, bleibe Eigentümerin mit dem Nachteil, den nötigen Unterhalt bezahlen zu müssen. Ein Baurecht bedeute, dass das Land im Eigentum bleibe, das Gebäude aber eine gewisse Zeit lang im Besitz des Baurechtsnehmers bleibe.

«Der Baurechtsnehmer kann auf eigene Kosten auf dem Land neu bauen, bestehende Gebäude nutzen, abbrechen oder erneuern», so Schlatter. Die Kirchgemeinde wäre in einem solchen Fall nicht mehr für das Gebäude zuständig. «Das Problem stellt sich beim so genannten Heimfall, denn dann muss die Kirchgemeinde den dann darstellenden Wert der Liegenschaft bezahlen».

Verkauf sehr schwierig

Der Verkauf des Kirchgemeindehauses mit dem Land sei schwierig, weil sich die Liegenschaft in einer öffentlichen Zone befinde, der Zweck sei damit eingeschränkt. «Eine öffentliche Zone drückt den Verkaufspreis gewaltig», erklärte Schlatter. Die grosse Frage des Abends war, ob das Kirchgemeindehaus im Besitz der Gemeinde bleiben oder veräussert werden soll. «Wenn wir das Kirchgemeindehaus behalten wollen, stellt sich die Frage nach den Mitteln für die Sanierung und wieviel Raum für die Kirchgemeinde darin Platz finden muss», sagte Dschulnigg.

Vorsteherschaftsmitglied Walter Studer verwies darauf, dass «alle Liegenschaften im Zentrum teure Sanierungsfälle sind». Michael Zecchinel sprach sich für das in der Botschaft skizzierte Szenario 1 aus. «Das Kirchgemeindehaus gibt die meiste Flexibilität, das Haus boje kann verkauft werden», sagte er. Eine solche Lösung fand Elvira Zuppinger hingegen nicht so gut. Seit 1985 diene die boje der Jugendarbeit, heute sei das Haus sehr belebt. «Es wäre schade, wenn die Jugendarbeit ins Kirchgemeindehaus integriert würde».

Kein Verkauf

Marlies Marazzi wollte wissen, ob es überhaupt potenzielle Käufer für das Kirchgemeindehaus gebe. «Ein Verkauf ist nicht einfach, die Schule sagt Nein und es bleiben zwei Institutionen mit Interesse. Das Alterszentrum und das Symphonische Blasorchester, welches dringend Raum sucht, rund 1000 Quadratmeter. Die Stadt wurde angefragt, aber wir haben keine offenen Türen gefunden», brachte es Susanne Dschulnigg auf den Punkt. Adolf Merk wollte nicht, dass «die grosse Parzelle im Zentrum verscherbelt wird». Pfarrhaus, Kirche und Kirchgemeindehaus gehören für viele Anwesende zur Kirchgemeinde, sind Teil der Identifikation. Um die anstehenden Sanierung bezahlen zu können, müsse der Verkauf von Land in Betracht gezogen werden. «Unsere Vorgänger rieten uns, das Tafelsilber nicht ohne Not zu verscherbeln, aber gerade die Liegenschaft Anderwertstrasse muss Thema werden», sagte die Kirchenpräsidentin. Karl Kohli sah die Lösung mit der Teilvermietung positiv, aber es sollte nicht zuviel Raum sein.

Im Lauf der Diskussion zeigte sich, dass ein Verkauf der boje und die Integration der Jugendarbeit ins Kirchgemeindehaus für zahlreiche Anwesende ein gangbarer Weg wäre. Auch anfängliche Gegnerinnen und Gegner eines Verkaufs der boje sahen vor allem im Grünraum rund ums Kirchgemeindehaus eine Chance für die Jugendarbeit. «Lieber die boje als das Kirchgemeindehaus verkaufen», sagte Anna Rink. Die anschliessende Konsultativabstimmung brachte ein klares Resultat. 74 der 84 anwesenden Stimmberechtigten wollten das Kirchgemeindehaus behalten und sanieren. «Auftrag gefasst», meinte Susanne Dschulnigg dazu.

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