/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Nachhaltig arbeiten

Kreuzlingen – Für David Bräutigam gehört das Thema Nachhaltigkeit zum Leben dazu. Mit der Eidgenössischen Berufsprüfung Umweltberater verankert er dies auch beruflich. Dazu lanciert er ein Projekt in der Bootsbranche.

Im Abschlussprojekt suchte David Bräutigam unter anderem nach Lösungen, für die Unterwasserschiff-Sanierung, welche das Wasser weniger belasten. (Bild: Sandro Zoller)

«Das Heimweh nach dem Bodensee, dem Segeln und der Arbeit als Bootsbauer, bewegten mich dazu 2012 an den See zurückzukehren», sagt David Bräutigam. Der 37-Jährige schloss 2007 seine Berufslehre als Bootsbauer bei der Bootswerft Heinrich in Kreuzlingen erfolgreich ab. Danach zog es ihn für einen Monat nach Sète, in Frankreich, wo er in seinem Beruf arbeitete. Die nächste Etappe hiess Basel und umfasste den Bau an einer 18-Meter Segelyacht für das Meer. Nach dem Zivildienst ging es nochmals nach Basel. Während drei Jahren vertiefte er in einer Schreinerei sein Wissen in den Bereichen Möbel- und Innenausbau.

Jugendtraum erfüllt
«Mit der Bootsbauer-Lehre machte ich mein Hobby zum Beruf. Bereits als Junge war ich sehr oft mit meinem Grossvater segeln», erzählt Bräutigam. Später habe er das Segeln als Junior auf Jollen im Segelpool Kreuzlingen und auf Regatten vertieft. Als Bootsbauer komme er mit vielen verschiedenen Materialien in Kontakt. Schon früh habe er erkannt, wie wichtig es sei, sich vor gewissen toxischen Substanzen zu schützen, die in dieser Tätigkeit nicht selten seien. Die Herstellung, der Unterhalt und die Entsorgung von Booten möglichst ressourcenschonend und umweltfreundlich über die Bühne zu bringen, sei eine Herausforderung. «Deshalb stand bei mir eine Frage im Raum. Wie kann ich mein Wissen so erweitern, dass ich meinen Beruf umweltfreundlicher und zukunftsorientierter weiterentwickeln kann?», so Bräutigam. Denn in der Berufslehre verstecke sich das Thema Nachhaltigkeit zwischen den Zeilen.

Ein Rucksack voller Werkzeuge
Der berufsbegleitende Lehrgang «Umweltberatung und -kommunikation» sei für ihn die perfekte Lösung. Gestärkt mit einem Rucksack voller Werkzeuge und Wissen könne er in der nachhaltigen Zukunft der Bootsbranche mitwirken. In seinem Privatleben gehöre das Thema Nachhaltigkeit seit langem dazu – wie ein Segel zu einem Segelschiff: «Ich habe eine grosse Verbindung zur Natur, sei es beim Klettern, während Skitouren auf abgelegenen Bergen oder beim Segeln. Ein bewusstes Handeln ist für mich sehr wichtig.»

David Bräutigam führte die Miete von SUPs ein. Die Testfahrten beugen Fehlkäufe vor und reduzieren dadurch den ökologischen Fussabdruck. (Bild: Sandro Zoller)

Projekt «Nachhaltigkeit»
«Eine Frage hatte ich von Anfang an. Gibt es neben den herkömmlichen Produkten auch solche, die einen nachhaltigen Entwicklungspfad berücksichtigen?»

Durch eine Umfrage, an alle Schweizer Werften gerichtet, habe er ein Stimmungsbild erhalten. Zusätzlich sei es ihm ermöglicht worden, vier Lektionen zur Nachhaltigkeit an der Berufsschule Zofingen abzuhalten. «In der Umfrage kristallisierte sich heraus, dass die Bootsbranche kaum zu diesem Thema sensibilisiert ist», so Bräutigams Erkenntnisse.

Auf der Suche nach einer Werft, für die konkrete Durchführung seines Projekts, sei er auf die Bootswerft Marcel Gasser gestossen. «Marcel Gasser ist sehr motiviert neue Wege einzuschlagen und an nachhaltigen und innovativen Lösungen interessiert. Deshalb erklärte er sich bereit, beim Praxisprojekt mitzumachen», berichtet der gelernte Bootsbauer.

In Gesprächen habe Bräutigam die Visionen und zukünftig wichtigen Ziele, die dem Unternehmen bevorstehen, evaluiert. Dabei habe er den Fokus auf alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit gesetzt – Ökologie, Ökonomie und Soziales. «Die ausformulierten Leitsätze, sollen ein Leitbild ergeben, das ein bewussteres Handeln fördert und die Weiterentwicklung einer nachhaltigen Unternehmensstrategie unterstützt.» Die beiden Hauptpunkte darin heissen «Hoher Anspruch an das Material» und «Engagierte Mitarbeiter und Lehrlinge».

Ihm sei bewusst, dass es Mut brauche für neue Wege und um über den Tellerrand zu schauen: «Mit guten und griffigen Instrumenten kann viel erreicht werden.» Ziel sei es schlussendlich so zu arbeiten, dass die Umwelt, und somit nächste Generationen, nicht unnötige Hürden bekommen.  

Details zum Leitbild, der Umfrage und den Massnahmen: https://bootswerftgasser.ch/about/leitbild/

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.