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Sieger in letzter Sekunde

Ermatingen – Jeremy Kressebuch darf aus Altersgründen nur noch dieses Jahr bei offiziellen Seifenkistenrennen an den Start gehen. Als gebührender Abschluss seiner «Karriere» holte er sich den Schweizermeister-Titel.

Jeremy Kressebuch in seinem feuerroten, schnittigen Flitzer. (Bild: zvg)

Direkt vor seiner Haustür verläuft eine Rennstrecke – zumindest dann, wenn die Strasse den Seifenkistenfahrer gehört. Mit Begeisterung schaute der 16-jährige Jeremy Kressebuch den kleinen Flitzern nach: «Irgendwann fuhren auch meine zwei älteren Schwestern mit und waren davon begeistert. Mit sieben Jahren durfte ich dann endlich selbst an den Start gehen.»

Bauen, trainieren, fahren
Die Konstruktion einer Seifenkiste unterliegt dem Baureglement der IG Seifenkistenderby Schweiz. Vorgeschrieben sind unter anderem die Art der Räder und das Bodenbrett, welches zwingend aus Holz bestehen muss. «Wer die Räder nicht mit Hartgummi überzieht, sondern eine luftgepumpte Variante verwendet, muss sich an den Rennen mit der Kategorie Fun begnügen», erklärt Kressebuch. Die Achsen sind zudem direkt bei der IG zu beziehen. Beim Chassis der Seifenkiste sind dem Konstrukteur keine Grenzen gesetzt. «Manche Wagen sind aus Holz, andere aus Polyester», berichtet Kressebuch. Das Gewicht von 65 Killogramm darf dabei nicht überschritten werden.

«Natürlich, das Seifenkistenfahren ist ein zeitintensives Hobby», weiss der Rennfahrer aus eigener Erfahrung. Während des Sommers sei er fast jedes Wochenende irgendwo in der Schweiz unterwegs. Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Jeder Wettkampf brauche auch seine Vorbereitungszeit und somit Training. Hinzu kämen die Wartung und kontinuierliche Verbesserung der Seifenkiste. «Die Zeit, die ich dafür aufwende, ist es auf jeden Fall wert. Aufgrund der Wettkämpfe lerne ich viele schöne Orte in der Schweiz kennen und knüpfe wertvolle Freundschaften».

Landesmeister-Titel als krönender Abschluss
Normalerweise trainiere er einmal pro Woche. Die Übungsstrecke liege in Ermatingen auf einer abgelegenen Strasse, so Kressebuch: «Das Training gibt mir nicht nur Sicherheit, sondern ebenfalls ein besseres Gefühl für die Seifenkiste.»

Auch bei dieser Rennsportart müsse ein Qualifying bestritten werden, bevor es ans Eingemachte, wie etwa die Schweizermeisterschaft, gehe. Pro Rennen seien die besten Fünf zur Teilnahme an der Meisterschaft berechtigt. «Gehört man in der Region bereits zu den Top Drei, ist man automatisch dabei.» Das Rennen selbst bestehe aus drei Durchgängen. Die besten zwei Zeiten würden zusammengerechnet werden. «Das Gute daran ist, dass man sich dadurch eine schwächere Runde erlauben darf».

Wie jeder Fahrer, hat auch Jeremy Kressebuch eine Lieblingsstrecke: «Die in Schwendibach, im Kanton Bern, mag ich besonders. Die Strecke besteht aus langsameren und rasanteren Abschnitten und ist in eine schöne Umgebung eingebettet».

Mit 16 Jahren geht die Seifenkistenkarriere reglementarisch zu Ende. Dieser Hintergrund half ihm womöglich den Willen zum Sieg zu verstärken. Auch wenn das «Sieger-Gen» in der Familie liegt, konnte er sich durchsetzen und Vanessa Kressebuch, seine Zwillingsschwester und amtierende Schweizermeisterin, vom Thron auf den dritten Platz verweisen. Zum verregneten aber spannenden Rennen, entlang der Bobbahn in St. Moritz, sagt er: «Ich wollte den Sieg einfach noch mehr als Vanessa».

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