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Thurgau in Worte gefasst

Kreuzlingen – Das Jubiläumsfestival des Kabaretts in Kreuzlingen hat mit dem Thurgauer Abend einen fulminanten Auftakt erfahren.

Lara Stoll begeisterte im zweiten Teil des Abends. (Bild: Emil Keller)

«Wir Schweizer sind wirklich ein unentspanntes Völkchen: Selbst im Griff unserer Sackmesser haben wir noch weitere Messer versteckt». Jan Rutishauser gab mit seinen Beispielen, weshalb die Eidgenossen so gestresst sind, den Auftakt zu einem wortreichen Abend, an dem auch nicht mit Anspielungen an den Thurgau gegeizt wurde. Vier Slampoeten kreuzten vergangenen Freitag am Thurgauer Abend des Kabaretts in Kreuzlingen vor einer vollen Dreispitzhalle ihre literarischen Klingen. In diesem «Mostindienslam», einem Schlagabtausch mit Wörtern, wurden von tatsächlich erlebten Kuriositäten bis zu sinnfreien Geschichten, die dennoch zum Nachdenken anregten, eine ganze Palette an irrwitzigen Texten präsentiert. Ivo Engeler berichtete etwa von den Eskapaden einer Kuh, welche sich eine Zugfahrt vornahm. Jusuf Selmann hingegen nahm die Zuhörenden mit auf eine nächtliche Zechtour, welche mit der Bekanntschaft von neuen, uniformierten Freunden in einem Kastenwagen endete.

Das Publikum bestimmte im Nachgang mit ihrer Applauslautstärke, wer ins Finale einzog und als Belohnung eine Flasche Alkohol mit nach Hause nehmen durfte. Das Wortgefecht entschied schliesslich Raphael Kaufmann für sich, welcher mit seiner Nachahmung des kratzigen Thurgauer Dialektes sich nachhaltig ins Gedächtnis des Publikums einbrannte.

Auftakt ist gelungen
Die zweite Hälfte des Abends bestritt die gefeierte Slam-Poetin Lara Stoll, welche sich von ihren Anfängen auf den hiesigen Bühnen im Thurgau bis zur Verleihung des Salzburger Stiers hochgetextet hat. Stoll berichtete auf verspielt-diabolische Art und Weise von ihren Herausforderungen im Alltag, welche das gemeinsame Kochen mit ihrem Freund am «Krisenherd» oder die Leiden einer verkaterten Stoll aufgrund einer nie gelieferten Pizza beinhaltete. «Kurz», war schon der gesamte Text ihrer Gitarreneinlage. Musikalisch bereicherte sie den Abend hinzu noch mit der Vertonung ihrer Magen-Darm-Grippe. Nachdenklich wurde sie bei ihrer Introspektion über die Einsamkeit. «Sind wir eigentlich immer allein? Ach egal, ist eigentlich auch nicht so wichtig», schloss Stoll mit begeistertem Applaus den Abend.

Der Auftakt zur 20-Jahr-Jubiläumsfeier des Kabaretts in Kreuzlingen war damit auf jeden Fall gelungen. Über die nächsten Monate verteilt finden in Kreuzlingen noch viele weitere solch unterhaltsamer Abende mit herausragenden Kabarettistinnen und Kabarettisten statt.

Emil Keller

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