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100 Personen im See verschollen

Kreuzlingen – Die Seepolizei Thurgau überwacht 365 Tage im Jahr alle Gewässer im Kanton. Das umfasst viele Aufgabenfelder wie auch das Suchen und Bergen von Personen.

Die beiden Sechszylinder-Motoren der TG 3 haben je 370 PS. (Bild: Sandro Zoller)

«Bei kalten Temperaturen ist es besonders wichtig, dass die Einsatzkräfte bei Notfällen möglichst zeitnah am Einsatzort sind. Das kalte Wasser birgt die grosse Gefahr einer Unterkühlung», sagt Marcel Kuhn, Dienstchef der Seepolizei Thurgau mit Sitz an der Bleichestrasse 42. Aber im Grunde verlaufe die Arbeit wie im restlichen Jahr. «Die Seepolizisten der Kantonspolizei Thurgau leisten ihren Dienst während 365 Tagen zu sämtlichen Tages und Nachtzeiten und bei allen Wetterbedingungen.» Übung und Erfahrung sind demnach reichlich vorhanden.

Nebst dem Hauptstützpunkt in Kreuzlingen gibt es noch die Standorte Diessenhofen, für den Rhein, Steckborn, für den Untersee und Romanshorn für den Obersee. «Wenn uns der Seerettungsdienst in Arbon nicht unterstützen würde, wäre wahrscheinlich auch ein Stützpunkt dort notwendig», so Kuhn.

Von der Überwachung bis zur Seenotrettung
Kurz zusammengefasst stellt die Seepolizei die Sicherheit und Ordnung auf und in den Gewässern des Kantons Thurgau sicher. Im Detail umfasst diese vielseitige und intensive Arbeit den Patrouillendienst, die Verkehrsüberwachung, die Sicherstellung des Rettungsdienstes, die Bearbeitung von Tatbeständen auf den Gewässern sowie das Suchen und Bergen von Personen und Gegenständen. «Zur Erfüllung dieser Aufgaben betreibt die Seepolizei zudem eine Tauchergruppe sowie die schweren Mittel der Kantonalen Ölwehr», erklärt Kuhn und fährt fort: «Im Ereignisfall arbeiten wir zudem sehr eng mit sämtlichen Blaulichtorganisationen zusammen. Teilweise finden Patrouillentätigkeiten mit gemischten Besatzungen statt.» All diese Tätigkeiten ruhen auch in den kommenden kalten Monaten nicht. Damit der Rettungsdienst auch im Winter sichergestellt werden könne, käme eine Reduktion des Personals nicht in Frage.

Das Jahr 2021 hätte sie in allen Bereichen gefordert, so der Dienstchef: «Wir hatten bis jetzt das ganze Spektrum der Polizeiarbeit. Vom tödlichen Unfall zwischen einer Taucherin und einem Kursschiff auf der Rheinstrecke über die Unterstützung bei internationalen Seenotalarmen bis zur Suche von zwei vermissten Schwimmern im Hochrhein war alles dabei.»

Die Schifffahrtskontrolle ist zudem für die Durchführung der Theorieprüfung für den Schiffsführerausweis zuständig, welche in Frauenfeld, Weinfelden und Kreuzlingen abgelegt werden kann. «Die grosse Mehrheit der Führerprüfungen nimmt die Schifffahrtskontrolle zwischen dem 15. März und dem 15. November ab. Im Winterhalbjahr finden nur wenige statt.»

Corona habe ihre Arbeit im Allgemeinen nicht verändert. Sie würden lediglich feststellen, dass sich vermehrt Personen auf den heimischen Gewässern bewegen würden, die dies bis anhin vermutlich nicht getan haben. «Zum Beispiel hat die Verwendung von kleinen Sportgeräten, wie etwa Stand Up Paddles, stark zugenommen», sagt Kuhn.

Die ewig Vermissten
Immer wieder verschwinden bei Un- und Zwischenfällen Personen im Bodensee und sind bis heute nicht auffindbar. «Aktuell befinden sich rund 100 Personen auf der Liste der ‹ewigen Vermissten› im Bodensee», hält der Dienstchef fest. Manchmal treibe es Körper nach oben. Aber dies hänge davon ab, ob die durch die Verwesung entstehenden Gase einen ausreichenden Auftrieb generieren können. Bei kalten Temperaturen oder hohem Druck in der Tiefe sei dies meistens nicht der Fall.

Marcel Kuhn, Dienstchef Seepolizei Thurgau. (Bild: Sandro Zoller)

Polizeischiffe sind allzeit bereit
Eine Patrouillenfahrt gehe gleich vonstatten wie auf dem Asphalt. Die Besatzung überwache das Gewässer in ihrem zugeteilten Bereich. Im Zuge der Fahrten würden die Seepolizistinnen und -polizisten Kontrollen der Seenutzer durchführen. «Anlässlich der Kontrollen werden die Fahrfähigkeit, die Fahrberechtigung, der technische Zustand der Fahrzeuge und einiges mehr überprüft», zählt Kuhn auf.

Jedes Polizeischiff werde einmal pro Jahr ausgewassert und durch die Mitarbeiter der betriebseigenen Werft unterhalten. Neben den notwendigen Servicearbeiten würden auch Nachrüstungen oder Optimierungen an der Ausrüstung vorgenommen werden. «Da die Seepolizei jedoch jederzeit einsatzbereit sein muss, wird dies jeweils nur mit einem Einsatzschiff gemacht.» Apropos «allzeit bereit». Um dem gerecht zu werden, sei jedes Boot, unabhänig von der Saison, vollständig ausgerüstet. Die drei grossen Polizeischiffe in Steckborn, Romanshorn und Kreuzlingen sind auch für dicksten Nebel gewappnet.

Gewusst? Die Wasserfahrzeuge der Seepolizei haben keine Namen. Sie werden anhand der Kennzeichen unterschieden.

Das Polizeischiff TG 1, Baujahr 1977, beabsichtigt die Kantonspolizei Thurgau zu ersetzen. An die Stelle des bestehenden GFK-Patrouillen-, Rettungs- und Bergungsschiffs mit Innenbordmotor, Bugklappe und Krananlage soll ein Arbeitsschiff mit Bugklappe und Krananlage kommen. Die Frist für die Einreichung eines Angebotes endete am vergangenen Mittwoch.

Sanierung und Erweiterung Bürogebäude
«Die aktuellen Raumverhältnisse im Bürogebäude der Seepolizei und Schifffahrtskontrolle Kreuzlingen entsprechen nicht mehr den betrieblichen Anforderungen», berichtet Roland Ledergerber, stellvertretender Kantonsbaumeister des Departements für Bau und Umwelt Thurgau. Aus einer durchgeführten Variantenstudie sei eine Erweiterung in Form einer Verlängerung des Gebäudes in südliche Richtung als nachhaltigste Option resultiert. Damit könnten die Flächendefizite effizient behoben und der Betrieb optimal organisiert werden.

Das Projekt «Wellenschlag» von Aschwanden Schürer Architekten habe das Beurteilungsgremium überzeugt, weil die vertikale Holzverkleidung der Fassaden an ortstypische Bootshäuser erinnere und die neue Hülle dem öffentlichen Gebäude ein einprägsames, eigenständiges Erscheinungsbild verschaffe.

Für die Sanierung und Erweiterung beantrage der Regierungsrat einen Objektkredit über 4.26 Millionen Franken. Es werde mit einer Bauzeit von Herbst 2022 bis Ende 2023 gerechnet.

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