/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Leuchtende Augen

Kreuzlingen – Am 21. und 22. Oktober strahlte das Bodensee TV die erste Pilot-Folge von «Happy day» aus. Darin steht «Nino» im Fokus, welcher keine einfache Vergangenheit hat. Die Idee dafür erarbeitete Moritz Schneider im Zuge seines Praktikums beim TV-Sender.

Ulrich Mack (l.) erklärt Nino etwas über dieses alte Mercedes-Modell. (Bild: zvg)

«Jeder Schüler muss bis Ende des 4. Semesters, innerhalb der Ferien, ein mindestens zweiwöchiges Praktikum absolvieren», berichtet der Kantonsschüler Moritz Schneider. Während den Überlegungen mit seinen Eltern, hätte sein Vater den Vorschlag mit dem Bodensee TV in die Runde geworfen. «Ich fand die Idee wirklich gut, da ich sehr gerne Filme und Videos mit der Kamera und der Drohne erstelle.» Nach der Kontaktaufnahme mit Patrick Eich, Vizepräsident und Programmchef des Bodensee TV, sei die Idee zur Erarbeitung eines neuen Formats für den Fernsehsender entstanden. «Die Erste Folge ‹Happy day› ist aktuell als Pilot zu sehen. Was sich daraus für weitere Folgen entwickelt, ist noch offen», so Eich.

Aufgleisung des Projekts
Zuerst sei nur eine Sendung mit Oldtimern von Ulrich Mack geplant gewesen. «Im Verlauf der Planung kam die Idee auf, das Ganze mit einem sozialen Gedanken zu verknüpfen und einer Person, die es im Leben schwer hat, einen schönen Tag zu schenken», erklärt Schneider. Es sei alles andere als einfach gewesen eine passende Person zu finden, die öffentlich über ihre Probleme reden möchte. Ein Brainstorming hätte die Bodenseekickers mit Coach Yannick Cavallin ins Spiel gebracht. «Wir trainieren jeweils samstags, von 13.30 bis 16 Uhr. Von März bis Oktober gastieren wir im Hafenareal und im Winter in der Dreifachturnhalle in Bottighofen. Nino ist 2019 zu uns gestossen und wird an der Front als Stürmer eingesetzt. Seine Aufgaben nimmt er mit viel Herzblut und kämpferischem Einsatz wahr», erzählt der Coach.

Egal ob es sich um Autismus, Zerebralparese, Sehbehinderung, Lernschwierigkeiten, Entwicklungsverzögerungen oder ADHS handle, die Spielerinnen und Spieler würden den Fussball nicht nur lieben, sondern auch leben. Der Sport gebe ihnen Kraft, die alltäglichen Herausforderungen zu meistern. «Könnten sie diese Leidenschaft nicht gemeinsam ausüben, würde ihnen im Leben ein wichtiger Bestandteil fehlen», ist sich Cavallin sicher. Gemäss Rücksprachen mit Angehörigen und Psychologen hätten alle Kickers beträchtliche Fortschritte in Bezug auf ihre Selbständigkeit im Alltag gemacht. «Unser Staff kümmert sich nicht nur um das Training, sondern steht den Sportlern auch neben dem Fussballplatz zur Verfügung.»

Nach einem Telefonat mit Nino sei die Ampel für die Durchführung des Projekts schon fast auf Grün gewesen, so der Kantonsschüler: «Um als Regisseur und Autor den Dreh planen zu können, war es meine Aufgabe, ihn persönlich zu treffen und letzte Abklärungen zu machen.» Nino hätte ihm seine Geschichte erzählt und zugesagt, öffentlich darüber zu reden. Somit hätten sie direkt den passenden Drehtermin suchen können.

Ulrich Mack aus Ermatingen habe sich dann an die Planung der Route gemacht, welche sie auch zusammen abfuhren. «Mit dem Abschluss der Vorbereitungen begann der aufwendigste Teil – die Planung des Drehbuchs. Jeder Filmschritt und jede Kameraperspektive muss genaustens dokumentiert werden», sagt Schneider.

Überall zur gleichen Zeit sein
«Während des Drehs habe ich als Autor und Regisseur meinem Team Anweisungen über Kameraperspektiven und darauf folgende Schritte gegeben. Natürlich habe ich auch selber gefilmt», so der Initiant von «Happy day». Damit eine Szene aus mehreren Perspektiven aufgenommen werden kann, braucht es mehrere Kameras und somit auch weitere «Helfer». Diese Unterstützung habe er in seinem Filmkollegen Dennis Bührer gefunden. Dieser sei hauptsächlich für die Drohnenaufnahmen zuständig gewesen. Da sich sein Flugmodell von seinem unterscheide, sei es auch eine Bereicherung für das TV-Feature gewesen. «Wenn die Drohne nicht zum Einsatz kam, dann kümmerte er sich um eine weitere Kameraperspektive. Ich kann mich ja nicht halbieren.»

Eine Reise in die Vergangenheit
Für Nino begann der Tag bei Ulrich Mack. Dieser führte ihn durch seine Hallen, worin neuere und ältere Autos von sich und Kunden gelagert sind. Es konnten Porsches, Ferraris, Ford Mustangs, VWs und viele weitere Marken bestaunt werden. Auch eine Tour durch die Werkstatt stand auf dem Programm. Von einem Ausflug, unter anderem in einem Sportwagen, wusste Nino noch nichts. Umso grösser war seine Begeisterung. Mit einer britischen AC Cobra düsten die beiden Richtung Wagerswil. Auf dem Weg begann Nino über Probleme seiner Kindheit und Jugend zu erzählen. Nach einem Boxenstopp in der Garage von Thomas Hirt ging es weiter zu Beat Labhart nach Steckborn, nun aber in einem VW Käfer aus dem Jahr 1959.

Beat Labhart repariert nicht nur alte Autos, sondern baut auch alte Modelle von Grund auf nach: «Ich kenne jemanden in England, der einmal im Jahr in die Schweiz kommt und einen alten Bentley Le Mans hat. Von seinem Gefährt konnte ich Bilder schiessen und Mass nehmen.» Werner Vögeli aus Bürglen hätte zufälligerweise eine verrostete Karosserie gehabt, die die passenden Masse aufwies. Den Prozess des Baus zeigte er Nino anhand von Bildern. Dieser war sichtlich fasziniert. Als Labhart den Wagen noch aus der Garage holte, stand ihm die Begeisterung ins Gesicht geschrieben.

«Alte Autos sind interessant, vielseitig und wertefrei. Deshalb war das sicher eine tolle Überraschung für Nino. Der Tag hat nicht nur ihm, sondern allen Beteiligten Spass gemacht. Manchmal braucht es nicht viel, um jemandem Freude zu bereiten», resümiert Mack. Er sei deshalb gerne bei kommenden Ausgaben von «Happy day» dabei.

Eine spannende Herausforderung
«Das Komplizierteste war die Koordination des Kamerawagens und der Oldtimer. Die Stopps mussten genaustens geplant und abgesprochen sein. Hinzu kam, dass wir darauf achten sollten, uns Kameraleute nicht gegenseitig zu filmen», berichtet Schneider. «Den Löwenpart bewerkstelligte Moritz. Beim Schnitt durfte ich noch ein paar Tipps beisteuern», so Eich. Der Kantonsschüler, welcher bereits Kurzfilme über das Windsurfing, Segeln und ein Tenderbot aus der Heinrichwerft produzierte, hofft auf eine Forstetzung: «Das Projekt bereitete mir viel Freude. Ich wäre sofort wieder mit von der Partie.»

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.