/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Kraftvoll und leise fährt der E-Bus

Kreuzlingen - Die Bewertungen der Testphase des Elektrobusses sind durchwegs positiv. Die Einsatzzeiten sind deutlich länger als erwartet, der Fahrkomfort überzeugte. Einzig die Depot-Ladung muss verbessert werden.

Ein Mercedes eCitaro wurde in Kreuzlingen als Stadtbus getestet. Die Resultate sind positiv. (Bild: Daimler AG)

Im August 2021 konnte auf allen Stadtbuslinien ein Mercedes-Elektrobus eingesetzt werden. Der zuständige Stadtrat Ernst Zülle zog nun eine positive Bilanz. Bei einem dauernden Einsatz der Elektrobusse müsse aber ein Problem gelöst werden: «Es gab Störungen bei der Ladeinfrastruktur im Depot, eine Zwischenladung durch einen Pantographen, vorzugweise am Hauptbahnhof, wäre wohl nötig», so Zülle. Das hätte den Vorteil, dass ein Bus ohne Wechsel im Depot unterwegs sein könnte.

Bis zehn Stunden im Einsatz

Positiv schnitt die Einsatzzeit der Busse ab. Während vor der Testphase davon ausgegangen wurde, dass der Bus nur drei bis vier Stunden am Stück unterwegs sein kann, zeigte die Bilanz auf, dass bis zu zehn Stunden Einsatz möglich waren. Dabei erreichte der Bus mehr als 150 Kilometer Reichweite. «Das ist aber nicht ausreichend, um die Hybridfahrzeuge eins zu eins durch E-Busse zu ersetzen», erklärt Ernst Zülle. Diese seien heute länger als zwölf Stunden und mehr als 250 Kilometer unterwegs. Die Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur habe sich als kritisch herausgestellt. Eine kraftstoffbetriebene Zusatzheizung für besonders kalte Tage ist nach heutigem Stand der Technik noch erforderlich, da sich der hohe Energiebedarf von Heizsystemen sehr stark auf die Batteriereichweite auswirken würde. Bei den Probefahrten seien nur wenige Störungen des Elektroantriebs und des Batteriesystems aufgetreten.

«Hammermässig»

«Wie zukünftige Elektrobusse nun im täglichen Stadtbusbetrieb eingesetzt werden können, wird am 26. November in einem Workshop abgehandelt», so Zülle. Dann würden die verschiedenen Bereiche wie Lademöglichkeiten, Infrastruktur, natürlich die Kosten und die verschiedenen Einsatzvarianten wie der vollständige oder der tweilweise Ersatz der Hybridbusse diskutiert. «Das daraus folgende Konzept solle eine erste Entscheidungsgrundlage für die politischen Gremien zu einer Elektrifizierung der Stadtbusflotte sein.

«Das Fahrzeug hat in Punkto Lärm und Fahrkomfort überzeugt. Absolut leise war der Bus in den Quartieren unterwegs und wurde kaum wahrgenommen». Die Beschleunigung und Kraft der Motoren habe überzeugt und sich auch bei der topographischen Lage auf allen Linien bewährt. Die Befragung unter den Passagieren und den Chauffeuren brachte ebenfalls, bis auf wenige Punkte, eine positive Bilanz.

So fanden Menschen mit Hörgeräten das Surren des Motors beim Beschleunigen als störend und unangenehm. Dass der Bus aber innen wie aussen kaum hörbar ist, wurde als positiv bewertet. Die Fahrt im Elektrobus wurde als angenehm empfunden, auch die Anordnung der Sitzmöglichkeiten und das Interieur wurden positiv erwähnt. Und ein Chauffeur habe den Einsatz des Elektrobusses gar als «hammermässig» bezeichnet, so Zülle abschliessend.

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