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Unendliche Möglichkeiten

Gottlieben – Im 2003 stellte die Handbuchbinderin Kerstin Hennings mit weiteren Papierbegeisterten das Projekt «Papier&was» auf die Beine. Heute Abend, um 18 Uhr, startet die zehnte Ausgabe im Bodmanhaus.

Theresa Weber. (Bild: Dieter Spinnler)

«Die Idee zu ‹Papier&was› entstand 2002 durch die damals im Bodmanhaus arbeitende Handbuchbinderin Kerstin Hennings», erklärt Brigitte Conrad, Mitglied des Organisationsteams. Begeistert vom Material «Papier» habe sie Gleichgesinnte gesucht und diese schlussendlich in Beat Brechbühl, Brigitte Conrad und Roswitha Schweichel gefunden. «Ziel der Gründerinnen und Gründer war es, alternierend zur Handpressemesse in Frauenfeld, das Papier in den Vordergrund zu stellen.» Es solle das breite Spektrum der zeitgenössischen Papierkunst und des Papierhandwerks widerspiegeln.

Neues Team – gleiche Ziele
Unterdessen ist die Gründerin, wie auch Beat Brechbühl, nicht mehr an Bord. Sandra Merten hat nicht nur den Posten im Organisationsteam übernommen, sondern auch das Atelier von Kerstin Hennings. «Seit der Ausstellung 2019 sind wir nun mit Christa Schürch wieder ein ‹stabiles› Team», sagt Conrad.

Auch wenn sich bei der Zusammenstellung der Projekt-Mitglieder über die Jahre etwas getan habe, die Ziele seien dieselben wie am Anfang geblieben, so Conrad: «Wir wollen Papiermachern, Papierkünstlerinnen und Papierhandwerkern die Möglichkeit geben, ihre Werke und ihr Arbeiten einem interessierten Publikum präsentieren und sich auch untereinander austauschen zu können.»

Alle Mitglieder der Projektgruppe seien gleichberechtigt. Es gäbe nur einen Unterschied: «Sandra Merten ist als Einzige selbst eine Künstlerin und noch am Austragungsort tätig. Deshalb erscheint es für uns logisch, dass sie ebenfalls an der Ausstellung teilnimmt.

Die Teilnehmer stellen sich vor
Für jede Ausgabe von «Papier&was» würden in allen Sparten des Themas «Papier als Werkstoff» von den Organisatorinnen möglichst zehn unterschiedliche Handwerkerinnen und Künstler gesucht.

In der historischen Papiermühle in Homburg am Main wird Papier gemacht. Johannes Follmer, Papiermacher in fünfter Generation, arbeitet wieder auf ganz traditionelle Weise. Die handgeschöpften Büttenpapiere aus seiner kleinen Manufaktur sind seltene Zeugen einer Zeit, als der Kulturträger Papier nur wenigen vorbehalten war.

Rita Imfeld beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Herstellung von Buntpapieren, aber auch mit der Produktion von verschiedenen feinen Dekorations-Objekten aus Papier wie Blumen oder Girlanden. Sie zeigt die Herstellung von Spachtelpapieren in deren ganzen Bandbreite – von einfach bis komplex.

Imad Al-Khaldi erschafft in seinem Atelier in Konstanz Kalligraphien. Dazu schreibt er, dass «die philosophische Dimension der arabischen Kalligraphie das Staunen und die Liebe umfasst». Es drücke Freiheit aus und steigere die Verantwortung des Künstlers, indem er sein Werk als Herausforderung bewältigen müsse.

Die Schwerpunkte der Werkstatt von Sandra Merten liegen auf Bucheinbänden und Buchrestaurierungen sowie bibliophilen Einbänden und freien Arbeiten. Der Werkstoff Papier ist nicht nur innen, sondern auch als Bezugsmaterial aussen auf Büchern zu finden, als Resultat der Auseinandersetzung mit dem Papier in seiner Vielfältigkeit.

Papiere und Kartons werden auf unterschiedlichste Weise bearbeitet, zerschnitten, zerstückelt, geformt und bemalt, um die visuellen Sinne durch das Spiel der Strukturen, Farben und Formen zu stimulieren. «Mit diesem unkonventionellen Material erzeuge ich eine neue Aussage, die über das rein Gesehene hinaus reichen soll», erklärt Gerda Ritzmann ihre Arbeiten.

Heidi Schöni arbeitet mit Installationen, Objekten, Malerei, Fotografie und Video. An der Ausstellung zeigt sie den Besuchenden das aufliegende Buch «Handmade Papers of the World». Es beinhaltet 260 nummerierte und klassifizierte Einzelmuster aus Papiermanufakturen und Antiquariaten der ganzen Welt.

«Meine Lust und Freude ist es, mit ganz verschiedenen, meist unscheinbaren, scheinbar wertlosen Materialien zu spielen, sie ihrer angestammten Funktion zu entfremden, sie in neue, ungewohnte Zusammenhänge zu vernetzen», sagt Verena Sieber-Fuchs über ihr Schaffen.

Während eines mehrjährigen Aufenthalts im Berner Oberland wurde Gaby Studer auf den Scherenschnitt aufmerksam. Fasziniert von der Unendlichkeit des Möglichen, fand sie darin ihre Leidenschaft und absolute Berufung. Ihr Wunsch ist es, dem Betrachter die Augen für unsere wundervolle Welt zu öffnen.

«Die Herstellung einer Schachtel ist eine einfache handwerkliche Arbeit, die technisch gut zu bewältigen ist», so Anne Weber. Als Autodidaktin habe ihr das Buch von Franz Zeier «Schachtel, Mappe, Bucheinband» gute Dienste geleistet.

Therese Weber vertrat die Schweiz an internationalen Ausstellungen wie Constellations-Aspects of Contemporary Swiss Art in Japan, Taiwan und den USA und wurde mit verschiedenen Kunstpreisen ausgezeichnet. Während der Zeit der Aufbruchstimmung der Paper-Art, in den frühen 80er, studierte sie in den USA.

Zudem stellt der Verein AGATHU Papiergürtel aus, welche im Sprach-Nähcafé entstanden sind.

Nur dank Sponsoren möglich
Die Thurgauische Bodman-Stiftung stelle ihr Haus für diese Ausstellung unentgeltlich zur Verfügung. «Ansonsten wäre eine Ausstellung mit unserem Low-Budget nicht möglich», so die realistische Einschätzung von Conrad. Das Bodmanhaus verschreibe sich der Literatur, dem Buch und dem Papier. Ohne die Unterstützung der Stiftung und weiterer Sponsoren, wäre die Ausstellung nicht möglich.

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