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Nachruf

Kreuzlingen – Zum Gedenken an Alt-Stadtammann Emil Heeb-Geiser (8. April 1924 bis 15. Oktober 2021)

Emil Heeb. (Bild: zvg)

Von 1964 bis 1989 gehörte Emil Heeb dem Kreuzlinger Stadtrat an. Ab 1972 leitete er als oberste Führungspersönlichkeit die Geschicke der Grenzstadt Kreuzlingen. In den 17 Jahren war der freisinnige Stadtammann auch immer Ombudsmann für die Kreuzlinger Bevölkerung. Er nahm sich Zeit, hörte zu und dank seiner persönlichen Bescheidenheit, seiner Integrität und Sachkenntnis fand er schnell Zugang zu den Menschen, den Behörden und den kantonalen Ämtern.

Emil Heeb wurde 1924 im Schulhaus «Schriiber» geboren und ist in Kreuzlingen aufgewachsen. Seine Familie war in der Grenzstadt fest verankert. Seine Mutter war eine stadtbekannte Hebamme, sein Vater arbeitete als SBB-Schriftenkontrolleur im Bahnhof Konstanz. Diese Verbundenheit mit Kreuzlingen erklärt die grosse Heimatliebe zu seiner Geburtsstadt. Nach der Schulzeit besuchte er das Seminar und als er nach der Lehrerausbildung nicht gleich eine Stelle fand, studierte er in Bern weiter bis zum Sekundarlehrer mit mathematisch-naturwissenschaftlicher Richtung. Der französischen Sprache wegen verbrachte er damals seine Semesterferien in Genf und lernte dort seine spätere Frau Ida Geiser kennen.

Nach einigen Jahren Lehrtätigkeit im Kanton Bern zog es ihn, als richtigen Seebueb, mit seiner mittlerweile fünfköpfigen Familie wieder nach Kreuzlingen zurück. Die beiden jüngsten Kinder kamen erst später in Kreuzlingen zur Welt. Von 1955 bis 1972 war er Lehrer in der Sekundarschule Kreuzlingen. Politisch immer engagiert, wurde er 1961 in den Gemeinderat und nur gerade drei Jahre später in den damals siebenköpfigen Stadtrat gewählt. Als Bauchef und später Vize-Stadtammann hat sich Emil Heeb über sein Ressort hinaus auch für die anderen Aufgabenbereiche der Stadt interessiert und eingesetzt. So brachte der im Jahr 1972 zum Stadtammann gewählte Emil Heeb viel Erfahrung in die neue Führungsverantwortung mit.

Dieses hohe Amt war für Emil Heeb mehr als blosse Pflichterfüllung: Wenn es galt ein Problem zu lösen, hat er es immer verstanden, alle Pro- und Kontrapunkte sorgfältig abzuwägen, bevor ein Entscheid gefällt wurde. Die Herausforderungen wurden immer komplexer: wie konnte man dem Verkehrschaos begegnen, wie die Abfallberge richtig entsorgen oder den Gewässerschutz nachhaltig umsetzen.

Typische Zielkonflikte blieben dem Stadtoberhaupt nicht erspart: das Abwägen zwischen den nötigen Überbauungen und dem Landschaftsschutz, sollte doch Kreuzlingen «eine liebliche Kleinstadt im Grünen bleiben», die Kiestransporte und die fast unerträglichen Lärmemissionen, das Wohl von Firmen und der Umweltschutz mit all seinen Konsequenzen. Ausgeprägt war bei Emil Heeb die Bereitschaft für einen Konsens, die Dialogfähigkeit und das Finden guter Kompromisse.

Während seiner Amtszeit konnte Emil Heeb zahlreiche Projekte realisieren: die Seeufergestaltung, die Abwasserbeseitigung und die Erneuerung des Kanalisationsnetzes, den Kauf des «Löwen», den Bau des Bootshafens, den Sportplatz Burgerfeld sowie zahlreiche andere Projekte. Zudem setzte er sich als Kantonsrat von 1972 bis 1988 für die Belange seiner Stadt ein. Er zeigte auch dort Zivilcourage. Nicht immer folgte er seiner FDP-Fraktion, wenn es darum ging, Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen, von denen er überzeugt war.

Bei der Abschiedsfeier im Jahr 1989 wurde Emil Heeb und seiner Frau Ida Marie das Ehrenbürgerrecht der Stadt Kreuzlingen verliehen. «Der scheidende Stadtammann Heeb habe diese grosse Ehre verdient, habe er sich doch immer als erster Diener seiner Stadt gesehen und zum Wohle von Kreuzlingen gehandelt», betonte der neue Stadtammann Josef Bieri bei der Übergabe der Urkunde.

Das Führungsporträt von Emil Heeb wäre mangelhaft, wenn nicht auch noch die gute Zusammenarbeit mit Konstanz sowie das ausgezeichnete Arbeitsklima in der städtischen Verwaltung erwähnt würden. Er verstand sich in seiner Verantwortung als Verwaltungschef in der Rolle eines Spielertrainers, der sein gut zusammengesetztes Team führt und motivierend einwirkt, damit auch sie ihn positiv beeinflussen.

Mit Emil Heeb verlieren wir eine besondere und charakterstarke Persönlichkeit, die mit Kreuzlingen eng verbunden und tief verwurzelt war. Er sah es als seine Aufgabe, sich mit seinen Talenten für seine Heimatstadt einzusetzen. In seiner gesamten Amtszeit stand das Wohl der Stadt immer an oberster Stelle. Emil Heeb steuerte die politischen Geschicke unserer Stadt sicher und gab in unruhigen Zeiten den richtigen Kurs in die Zukunft vor. Wir werden sein politisches Gespür und seine kritischen Nachfragen vermissen.

Der Stadtrat von Kreuzlingen

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