/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Ein Service-Club mit Herz

Kreuzlingen – Der Rotary-Club Kreuzlingen feiert sein 75-jähriges Bestehen. Bei seiner Gründung war er der erste im Kanton Thurgau. Sein Schwerpunkt liegt auf der Pflege von Freundschaften und der konkreten Hilfe für Bedürftige.

Sie feierten gemeinsam das 75jährige Bestehen des RC Kreuzlingen: Der Kreuzlinger Clubpräsident Reto Mästinger (l.), zusammen mit Marie-Laure Freyburger (RC Mulhouse) und Franz Hoppe (RC Augsburg). (Bild: RC Kreuzlingen)

«In dieser von Corona geprägten Zeit wurde bewusst auf einen grossen Jubiläumsakt verzichtet – ausgiebig gefeiert werden soll in zwei Jahren zum dann anstehenden 77-Jahr-Jubiläum», erklärt Reto Mästinger, Präsident des Rotary Club (RC) Kreuzlingen. So ganz ohne Feier kam der RC dann doch nicht aus. Am Wochenende vom 18. und 19. September trafen sich die Rotarierinnen und Rotarier im familiären Rahmen. Mit dabei waren Delegationen der Partnerclubs aus Augsburg und Mulhouse.

Internationales Netzwerk mit 1,2 Millionen Mitgliedern
«Wir sehen eine Welt, in der Menschen gemeinsam beginnen, nachhaltige Veränderungen zu schaffen – in allen Ländern, in unserer Nachbarschaft und bei uns selbst», sagt Mästinger zum RC. Rotarierinnen und Rotarier würden internationale Freundschaften pflegen, nach ihren sozialen Grundsätzen leben und gemeinsam dort anpacken, wo humanitäre Hilfe benötigt werde. Die Probleme der heutigen Zeit würden ein konsequentes Engagement und eine realistische Zukunftsvision verlangen. Rotary gehe, als weltweit etablierte Organisation, seit über 110 Jahren voran, um nachhaltige Lösungen zu finden – auf lokaler und auf internationaler Ebene. «Bei uns kommen Menschen zur freundschaftlichen Begegnung, zum Ideenaustausch und zu konkreter Hilfe zusammen.»

Die weltweit 35’000 bestehenden Clubs würden ihre Projekte in sechs Schwerpunktbereichen organisieren: Friedensarbeit, Krankheitsbekämpfung, Wasser- und Hygieneprobleme, Fürsorge für Mutter und Kind sowie Bildungs- und Wirtschaftsförderung.

Einsatz für Benachteiligte
Der RC Kreuzlingen engagiere sich auf verschiedenen Ebenen, so der Präsident: «In der Region sind wir Teil der Organisation ROKJ (Rotary für Kinder und Jugendliche) und unterstützen dabei sozial schwache Familien bei der Ausbildung ihrer Sprösslinge.» Im Rahmen von sogenannten «Hands-on-Aktionen» hätten sie unter anderem im Besmerhuus einen Erlebnisgarten eingerichtet oder auf dem Arenenberg ein Jahr lang in Fronarbeit einen Rebberg gepflegt und den daraus resultierenden Wein zugunsten sozialer Projekte verkauft.

«Auf internationaler Ebene unterstützen wir, zusammen mit dem RC Kreuzlingen-Konstanz, Hilfsprojekte für sozial schwache Kinder und Jugendliche, sowie solche mit Behinderung, in der Region Lemberg in der Ukraine», zählt Mästinger weiter auf.

Diese Projekte seien seit 18 Jahren am Laufen. Sie hätten bis jetzt rund 800’000 Franken investiert, so der Club- Präsident und betont: «Wohlverstanden tun wir das mit zuverlässigen Partnern vor Ort, mit denen wir jährlich zusammentreffen und uns davon überzeugen, dass das Geld sinnvoll verwendet wird.»

Ein Blick hinter die Kulissen
Jede Woche gäbe es ein Treffen der Rotarierinnen und Rotarier. Hinzu komme eine Zusammenkunft pro Monat, bei welcher auch Partnerinnen und Partner eingeladen seien. «In der Regel steht ein Referat auf dem Programm, das sich thematisch in das Motto des Jahresprogramms einfügt. Passsend zum Jubiläum laute das aktuelle Jahresmotto «Tradition ist kein Ruhekissen». Ihr Blick falle nun auf die kommenden 25 Jahre und wie sie diese sinvoll gestalten könnten – die Basis ihrer Herkunft stets im Hinterkopf behaltend. «Das Ziel ist, dass wir beim 100-jährigen Bestehen des Clubs, im Jahre 2046, mit Stolz zurückblicken können», erklärt Mästinger.

Der am 26. Juni 1946, ein Jahr nach Kriegsende, formell in Gottlieben gegründete RC Kreuzlingen war der erste seiner Art im Thurgau und weist eine lange Reihe markanter Persönlichkeiten in seinen Mitgliederlisten auf. Anfang April 1952 begann die Partnerschaft mit dem Rotary Club Augsburg. Am 20. Juni 1996 durften sie Pate stehen bei der Gründung des RC Kreuzlingen-Konstanz, dem ersten grenzüberschreitenden Club der Schweiz.

Eine Frage steht noch im Raum: Wie wird man Mitglied? «Künftige Rotarierinnen und Rotarier werden in der Regel von Mitgliedern vorgeschlagen. Sie erhalten dann die Gelegenheit, eine Weile im Club zu ‹schnuppern›, um festzustellen, ob sie sich darin zurechtfinden und ein fester Teil davon werden möchten», sagt der Clubpräsident zum Aufnahmeverfahren. Ein Aspekt von Rotary bestehe daraus, dass möglichst viele Berufe durch integre Persönlichkeiten, die sich im Berufsleben bewährt haben, vertreten seien. Jeder müsse auch bereit sein zu dienen. «Zum Beispiel hat jedes Mitglied ein Jahr lang das Amt des Präsidenten inne.» Hinzu komme die Bereitschaft zum Mitwirken in sozialen Projekten und Spenden.

Gestern und morgen
«Die wichtigste Änderung im Clubleben war der Entscheid vor rund 15 Jahren, in Zukunft auch Frauen aufzunehmen», hält Mästinger fest. Mittlerweile würden die Frauen rund einen Viertel der Mitglieder ausmachen – Tendenz steigend. Dadurch seien weitere Berufsfelder dazugekommen. «Wir sind stolz auf die wachsende Vielfalt.» Auch die Umgangsformen hätten sich dem Wandel der Zeit angepasst. Die Rotarier würden sich weniger formell begegnen. Hinzu komme, dass sie den Präsenzansprüchen der heutigen globalisierten Arbeitswelt Rechnung tragen würden.

«In Zeiten kommunikativer Inflation und überbordendem, kurzlebigem elektronischem Austausch wird die Qualität der Kommunikation, wie sie bei Rotary im persönlichen Gespräch stattfindet, an Bedeutung gewinnen», ist Mästinger überzeugt.

Soll auch Spass machen
Freundschaft bedeute auch, dass man sich Zeit für einander nehme und sich in ungezwungener Weise über Generationen und Berufskompetenzen hinweg austausche – ohne den persönlichen Vorteil in den Vordergrund zu stellen. Der amtierende Präsident erachtet es zudem als wichtig, dass ein weiteres Element Beachtung findet: «Rotary soll auch Spass machen.»

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.