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Keine Lösung in Sicht

Bottighofen - Die Verkehrssituation in Bottighofen erfordert weiter Geduld von allen Beteiligten. Dies wurde an einer Informationsveranstaltung deutlich.

Patrick Eich mit dem Alt-Grossrat Klemenz Somm, Kantonsingenieur Andi Heller und Gemeindepräsident Matthias Hofmann (vl). (Bild: Inka Grabowsky.)

Die Bürgerliche Vereinigung Bottighofen und probottighofen hatten zur Diskussion geladen – und das Dorfzentrum füllte sich bis zur letzten Reihe. Das Thema brennt offenkundig vielen Einwohnern auf den Nägeln. Wer jedoch gehofft hatte, die eingeladenen Fachleute könnten Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, wurde enttäuscht. Seit Jahrzehnten belaste der Durchgangsverkehr die Anwohner, wie Willi Müller ausführte. «Ich bin an der Hauptstrasse aufgewachsen und kenne schlaflose Nächte wegen des Lärms». Und was habe man nicht alles überlegt, um die Autos von der Hauptstrasse zu bekommen: Eine Entlastungsstrasse durchs Weideliguet habe die Bevölkerung abgelehnt, eine Südumfahrung scheiterte ebenfalls am Widerstand von Anwohnern, die Brücke über den See oder der Tunnel kamen auch nicht.

Thomas Debrunner erklärte die Ursache für das Problem: «Bottighofen ist eben ein Nadelöhr, in das zwei Strasse aus Richtung Kreuzlingen münden und zwei Strassen aus Richtung Münsterlingen-Scherzingen. Die Kreisel, in denen alle abbremsen müssen, um danach wieder zu beschleunigen, sorgen für Abgase und Gummiabrieb». Die Baustellen in Kreuzlingen störten noch zusätzlich. Er sieht in Bodensee-Thurtalstrasse (BTS) und Oberlandstrasse (OLS) die einzige Lösung.

Sechs urbane Zentren im Kanton

Kantonsingenieur Andi Heller bestätigte die Diagnose: «An Spitzentagen – es sind immer Freitage – zählen wir über die Schlaufe im Bodes des Müligässli-Kreisels 26’000 Fahrzeuge am Tag». Das verstärkte Homeoffice habe die Zahlen etwas sinken lassen, aber der stärkere Ausflugsverkehr habe gegenteilig gewirkt. «Unser Kanton ist eben dezentral organisiert», sagt er, «auch deshalb ist die Motorisierungsquote im Thurgau hoch». Auf tausend Einwohner kämen 633 Autos, schweizweit sind es 541. Heller sieht ebenfalls in BTS und OLS die einzige Möglichkeit, die Siedlungen am See zu entlasten. «Aber das dauert noch ein paar Jahre». 2029 könnte mit dem Bau frühestens begonnen werden, ergänzt Moderator Patrick Eich.

Beni Zaugg versuchte die Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtnahme einzuschwören. «Es gibt keine einfachen Lösungen. Vielleicht würden Tempo 30-Zonen etwas bringen, vielleicht würden Bus und Bahn attraktiver, wenn man den Tarif senken würde». Architekt Rico Lauper wies darauf hin, dass die Hauptstrasse nicht nur durch die starke Verkehrsbelastung ein «Unort» sei. «Darf eine Strasse nicht auch schön sein?», fragte er und verwies auf den «Masterplan Bottighofen», der das Dorf neu in Szene setzen will, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. «Wir wollen Identität schaffen und überlegen, wie man den Dorfkern wiederbeleben kann».

Diskussion mit Strassengegner

Der Masterplan sei seit drei Monaten in Arbeit, sagte Bottighofens Gemeindepräsident Matthias Hofmann in der Diskussionsrunde. Im Frühling seien Resultate zu erwarten. «Die Geschwindigkeitsbegrenzungen in den Quartierstrassen haben wird gerade evaluiert. Das wird Thema in der nächsten Gemeinderatssitzung». Ausserdem sei die Gemeinde dabei, die Busführung zu überprüfen und habe zur Förderung des Velo-Verkehrs nicht nur eine solarbetriebene Ladestation für E-Bikes geplant, sondern beteilige sich auch am Velo-Verleih von Regio Kreuzlingen.

Nach Vorwürfen aus dem Publikum sah sich Hofmann gezwungen, auf die gute Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden hinzuweisen. Weder Lengwil noch Kreuzlingen verweigerten die Hilfe, wenn es darum gehe, den Verkehr fair zu verteilen. «Wir treten gemeinsam auf, um Strassenprojekte voranzubringen». Davon riet Klemenz Somm ab. «Mehr Strassen sind kein Lösungsweg», sagte er. Die Naherholungsgebiete müssten geschützt und den Landwirten dürften nicht noch mehr Fruchtfolgefläche genommen werden. Er appellierte an alle Anwesenden mehr Velo zu fahren und den ÖV zu nutzen. «Motorisierter Individualverkehr ist nicht naturgegeben. Schauen wir in den Spiegel».

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