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Freie Fahrt mit Stadtbus

Kreuzlingen - Um die Verkehrsbelastung in der Stadt zu minimieren, will die CVP-Gemeinderatsgruppe eine zweijährige Versuchsphase für den Gratis-Stadtbus. Das Geld soll aus der Spezialfinanzierung «Parkierungsanlagen» kommen.

Der Kreuzlinger Stadtbus. (Bild: Kurt Peter)

«Freie Fahrt mit dem Stadtbus» verlangt ein Postulat der CVP-Gemeinderatsgruppe. Begründet wird der Vorstoss mit «einer immer belastenderer Verkehrssituation. Verstopfte Durchgangsstrasse Ost/West, kilometerlange Staus durch Kreuzlingen zu den Spitzenzeiten und an den Wochenenden, hohes Verkehrsaufkommen im Zentrum. Abhilfe tut Not».

Anreiz schaffen

Eine Möglichkeit, die Verkehrsüberlastungssituation in der Stadt abzubauen oder zumindest zeitweise zu verbessern, liegt in einem positiven Anreizsystem in Form einer Forderung des Umstiegs auf den öffentlichen Verkehr, heisst es im Postulat. Benutze beispielsweise zu neuralgischen Zeiten ein Teil der Kreuzlinger Bevölkerung anstelle ihres eigenen Fahrzeugs den Stadtbus, so führe dies zu einer spürbaren Verbesserung der Verkehrsüberlastungssituation in der Stadt.

«Damit der Stadtbus anstelle des eigenen Autos genutzt wird, muss für die Kreuzlinger Bevölkerung ein greifbarer Anreiz geschaffen werden: Die Gratisbenutzung des Stadtbusses», schreibt die CVP-Gemeinderatsgruppe. Im Weiteren sei der Gratis-Stadtbus auch eine Klima-Unterstützungsmassnahme, um den CO2-Ausstoss zu reduzieren. «Steigen möglichst viele Einwohnerinnen und Einwohner, welche motorisiert in der Stadt unterwesg sind, auf den öffentlichen Verkehr um oder nutzen zumindest teilweise den öffentlichen Verkehr, ist das für die Klimasituation in der Stadt positiv», heisst es weiter.

Über Gebühren finanziert

In Luxemburg seien seit 1. März 2020 Bus und Bahn für alle gratis, im Kanton Freiburg werde im Schwarzseegebiet ein Gratisbus an den Wochenenden und in den Schulferien als Pilotprojekt angeboten. «Gratisbusse werden derzeit auch in den englischen Städten Manchester, Bolton und Stockport geprüft», heisst es weiter. Die Gratisnutzung des öffentlichen Verkehrs sei also nicht neu und sollte auch in Kreuzlingen in einer Versuchsphase von mindestens zwei Jahren getestet werden, um die Auswirkungen auf die Verkehrssituationsentlastung und die Umsteigeeffekte zu prüfen.

«Die Finanzierung der Gratsibenutzung des Stadtbusses kann über die Spezialfinanzierung Parkierungsanlagen erfolgen, wenn der Verwendungszweck der Spezialfinanzierung zeitgemäss erweitert wird, was im Rahmen der laufenden Revision des Parkierungsreglements geplant ist», heisst es im Postulat. So könne den Einwohnerinnen und Einwohnern von Kreuzlingen, die mit ihren Parkgebühren und weiteren Beiträgen in die Spezialfinanzierung für ein erhebliches Kapitalpolster gesorgt haben, etwas Sinnvolles zurückgegeben werden.

Abo-Verbilligung fällt weg

In der Spezialfinanzierung seien 19 Millionen Franken vorhanden, hält die Gemeindratsgruppe fest. Zu diesen seien in der Vergangenheit durchschnittlich jedes Jahr weitere 1,5 Millionen dazugekommen. Mit der geplanten Änderung des Pakierungsreglements, mit welcher unter anderem auch die Parkbussen in die Spezialfinanzierung flössen, würden jedes Jahr weitere zwei Millionen dazu kommen. «Gemäss Rechnung 2019 sind 851´911 Franken an Benützungsgebühren und Dienstleistungen aus dem Busbetrieb vereinnahmt worden, die bei einer Gratisnutzung entfallen und aus der Spezialfinanzierung zu decken wären». Im Gegenzug würden angesichts der Gratisnutzung die Abo-Verbilligungen mit 226´143 Franken wegfallen.

«Damit wären im Jahr 2019 625´768 Franken für die Gratisnutzung des Stadtbusses zusätzlich aufzubringen gewesen», heisst es im Postulat. Wäre Tägerwilen bereit, sich an der Gratisbnutzung der Linie 907 zu beteiligen und den Gemeindebeitrag entsprechend zu erhöhen, könnte auch diese Linie miteinbezogen werden. Womit Betriebseinnahmen von 117´084 (2019) entfallen wären. So wären mit der Linie 907 im Jahr 2019 742´852 Franken zu tragen gewesen.

Zwei Jahre Versuchsphase

«Die CVP-Gemeinderatsgruppe ersucht den Stadtrat um Prüfung, ob die entfallenden Benützungsgebühren für den Stadtbus, eventuell für Fahrten in der Stadt auch für den Roten Arnold und das Postauto, in der laufenden Rechnung der Stadt durch einen Pauschalbetrag von mindestens einer Million Franken abgedeckt und in der Folge die Nutzung des Stadtbusses, eventuell mit Rotem Arnold und Postauto auf dem Gebiet der Stadt Kreuzlingen, gratis angeboten werden kann». Bei einem positiven Prüfungsergebnis lädt die CVP-Gemeinderatsgruppe den Stadtrat ein, die Gratisnutzung des Stadtbusses, eventuell inklusive Rotem Arnold und Postauto, im Sinne einer Versuchsphase von mindestens zwei Jahren zur Evaluierung der Auswirkungen auf die Verkehrssituation und das Ausmass des Umsteigeeffekts umzusetzen.

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