/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Wenn sich ein Blatt wendet

Kreuzlingen – Vor 19 Jahren hat Nico Stahlberg im Ruderclub Kreuzlingen seinen ersten Ruderschlag gemacht. Damals wusste er noch nicht, wo ihn die Reise hinführt. Heute, knapp 20 Jahre später, blickt er auf unzählige Erfolge zurück. Unter anderem zählen zwei Teilnahmen an olympischen Spielen, ein Weltmeistertitel und der Gesamtweltcup-Sieg im Einer zu seinen grössten Triumphen.

Nico Stahlberg beendet seine Karriere als erfolgreicher Ruderer. (Bild: Merijn Soeters)

Die Freunde im Club, das Gleiten des Bootes auf dem Wasser und das vitale Gefühl nach dem Sport haben den 11-jährigen Jungen schnell gefesselt. Bald verging kein Tag mehr, an dem das Rudern nicht Bestandteil seines Alltages war. Schon früh bestritt der RCK’ler nationale Rennen. Die erste Medaille liess nicht lange auf sich warten. Nach der Aufnahme in das Nachwuchsprojekt «Futuro» des schweizerischen Ruderverbandes reiste Nico Stahlberg mit 16 Jahren an seinen ersten internationalen Wettkampf nach Ottensheim. Auf derselben Regatta-Strecke feierte der Nachwuchsathlet sechs Jahre später an der U-23 WM seinen ersten Weltmeistertitel!

Doch davor hatte er schon viele weitere Meilensteine erreicht. Unter anderem qualifizierte er sich 2011 mit erst 20 Jahren zusammen mit einem seiner grössten Vorbilder in Bled, Slowenien, für die olympischen Spiele in London, der Heimat des Rudersports. Seine Karriere im Doppelvierer war lanciert. Nach dem olympischen Diplom, welches er 2016 in Rio ebenfalls im Doppelvierer gewann, begann aber eine neue Ära in Kleinbooten. So durfte er zusammen mit Roman Röösli in der Olympia-Saison seine erste Weltcup-Medaille im Doppelzweier feiern. Viele weitere Erfolge waren Lohn für intensive Trainings und stetes Suchen nach dem perfekten Schlag. Ein weiteres Highlight in der Karriere des Sportlers war sicherlich auch die Zeit als Weltcupleader im Einer mit dem Sieg des Gesamtweltcups auf dem Rotsee vor heimischen Publikum im Jahr 2017. Dies hat vor ihm nur Xeno Müller geschafft.

Ziele haben und verfolgen
Aus den Erlebnissen sowie dem Gefühl des gleitenden Bootes hat der gelernte Forstwart und Student über Jahre immer wieder viel Energie und Motivation geschöpft, neue Ziele zu setzten und weiter zu gehen. Ausserdem hat ihm der Rudersport gezeigt, was Leidenschaft heisst. Der Ruderschlag hat ihm beigebracht, etwas zum Perfekten zu trimmen. Der Teamsport hat ihn gelernt, was es heisst, füreinander einzustehen. Der Leistungssport hat ihm vorgelebt, Ziele zu haben und diese zu verfolgen und der Erfolg hat ihm die Bestätigung geben, dass es sich lohnt, durch Höhen und Tiefen zu gehen.

Doch in letzter Zeit musste Nico Stahlberg immer mehr Rückschläge einstecken. Er litt unter Schmerzen, die Freude am Training schwand, auch das Boot glitt nicht mehr wie gewohnt über den See. Sein Körper funktionierte nicht mehr so, wie sich dies ein Profisportler wünscht. Er musste sich nach Untersuchungen und Abklärungen mehreren Hüftoperationen mit einer langen Reha-Phase unterziehen lassen. Diese Umstände haben ihn in eine Zwangspause vom Rudern gesendet und ihm damit auch Zeit gegeben, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit der Frage, wie viel Platz das Rudern in seinem Leben haben soll und wie gross die Investition in das Training zukünftig sein soll, ist der Profi-Ruderer zum Schluss gekommen, dass es für ihn nach mehr als zehn Jahren im Leistungssport an der Zeit ist, sich gnz seiner Gesundheit zu widmen und das Studium voranzutreiben. Diese Entscheidung ist dem Ruderer nicht leicht gefallen, denn «der Rudersport hat mir mehr gegeben, als ich je erwarten durfte,» blickt er zurück.

Dank an Club und Trainer
Nico Stahlberg dankt dem Ruderclub Kreuzlingen und dem Trainerteam, ohne das er heute nicht da wäre, wo er jetzt ist. Eingeschlossen sind seine Sponsoren Bischofberger AG, Kilo+Gramm, Top Team Sanitär, die Schweizer Armee und die Schweizer Sporthilfe sowie sein Gönnerclub 2020 und alle Unterstützer und Förderer der Schweizer Ruderszene, welche an ihn geglaubt haben und ihm den Leistungssport ermöglicht haben. Ein weiterer Dank geht an all seine Trainingspartner und Wettkampfgegner, welche ihn immer wieder aufs neue herausforderten und förderten. Zu guter Letzt ein Dank auch an seine Familie und Freunde, welche über die Jahre viel Verständnis und Unterstützung aufbrachten.

Priska Keller

Share Button

Weitere Artikel aus der Rubrik Stadtleben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert