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Lokale Vernetzung stärken

Tägerwilen – Während seiner Zeit, als «Hausbewirtschafter» und Koch der Familie, ist Malte Schwinger die Idee zu Lokavor gekommen. Der erfahrene Startup-Gründer möchte damit den lokalen Einkauf auf ein neues Level bringen.

Malte Schwinger in seinem Garten. (Bild: Sandro Zoller)

«Während meiner Familienauszeit fungierte ich zu Hause unter anderem auch als Koch. Für meinen damals neugeborenen Sohn wollte ich natürlich möglichst hochwertige; regionale Lebensmittel auf den Tisch bringen», erklärte der gebürtige Hannover während eines Gesprächs bei sich in der «warmen» Stube. Deshalb habe er sich an den PC gesetzt und eine Online-Recherche gestartet. Das Resultat sei eher ernüchternd gewesen. Er habe keine gute Plattform für lokale Lebensmittel finden können. «Da ich seit 1995 im Onlinemarketing tätig war, lag es auf der Hand; diese Lücke zu schliessen.»

Produkt soll Kasse nicht strapazieren
Kleinere Läden wie etwa eine Metzgerei, eine Bäckerei, ein Imker oder Hofladen hätten in den meisten Fällen kein grosses Budget, um im Werbemarkt mitzumischen. Dementsprechend fehle ihnen eine «Anschlussmöglichkeit» an die grossen Player.

Digitale «Marktplätze» würden zudem in vielen Fällen mit einer Umsatzbeteiligung arbeiten. «Dies wollen wir explizit nicht, da unser Anliegen auch darin besteht, den Direktvermarktungsanteil der Anbieter zu erhöhen und damit deren Margen zu verbessern und nicht zu schmälern», so die Philosophie des seit 2008 in Tägerwilen wohnhaften Erfinders.

Ein kostenloses und einfach zu bedienendes Tool
Lokavor, so heisst die App, ist eine Wortkreuzung aus lokal und karnivor, sogenannten fleischfressenden Pflanzen. «Aus Sicht des Endverbrauchers ist die App zunächst ein kostenloses Suchwerkzeug, mit dem man Anbieter in der direkten Umgebung finden kann», beschreibte Schwinger die Hauptfunktion für Konsumenten.

Die App arbeite GPS-basiert. Der Nutzer sehe auf einer Karte, was ihn direkt umgebe. Mit einer einfachen Fingerbewegung könne er den Radius jederzeit anpassen. «So findet er Winzer, Bäcker, Metzger, Hofläden, Imker und viele andere Anbieter im lokalen Lebensmittelbereich.»

Lokavor sei zudem eine Mitmachplattform. Durch einen Klick auf das Pluszeichen in der Karte, könne der Nutzer seinen Lieblingsanbieter selber und ohne Kosten eintragen. Diese sei eine Hilfe für die Sichtbarkeit des Anbieters und ein erster Schritt für eine grössere Reichweite. Zudem werde dadurch das Angebot erweitert.

Sichtbarkeit und Kommunikation stärken
Jeder Lebensmittelanbieter könne sich ebenfalls selber eintragen, wenn er nicht schon von Lokavor oder einem zufriedenen Kunden eingefügt worden sei. Höfe und Läden, die an Märkte gehen, können auch diese Standorte in der App markieren, was den Bekanntheitsgrad zusätzlich erweitere.

«Momentan bieten wir zwei zusätzliche kostenpflichtige Optionen an. Dies sind die Lokavor Microsite und der Lokavor QuickShop», sagte Schwinger. Die Microsite sei mit einer Webseite zu vergleichen. Der QuickShop stelle einen voll funktionsfähigen Onlineshop, mit Slots für bis zu 50 Produkte, dar.

Das Besondere an Lokavor seien zwei Dinge, so Schwinger: «Sämtliche Funktionen können vollständig über die App gesteuert werden und die Bedienung ist wirklich kinderleicht. Es sind keinerlei IT-Kenntnisse gefordert.» Selbst der Verkauf über den QuickShop benötige keine Zusatzgeräte. Falls gewünscht, könne auch die Kartenzahlung eingebunden werden. Dazu müsse der Anbieter nur ein Konto auf www.stripe.com eröffnen.

Zwei Welten zusammenbringen
Um die digitale und reale Welt noch näher zueinander zu bringen, sei im Abonnement ein individueller QR-Code enthalten. Dieser könne ausgedruckt etwa auf Flyern oder der Eingangstür platziert werden. Scanne ein Kunde den QR-Code mit dem Smartphone, werde er Follower dieses Geschäfts. Falls die Person die App noch nicht habe, gehe es automatisch an die entsprechende Stelle für den Download.

«Ab diesem Augenblick erhält der Geschäftsinhaber die Möglichkeit, diesem Kunden Produktneuheiten, Angebote oder Events direkt als Nachricht – Push-Notification – auf das Smartphone zu senden.»

Foodwaste-Bekämpfung
Für das erste Quartal 2022 haben Schwinger und sein Team die Einführung der LokavorBox geplant. Dabei handle es sich um eine Art digitale Geschenkekiste, erklärte der Gründer: «Hat ein Bäcker am Abend noch mehr Backwaren als er voraussichtlich verkaufen wird, kann er überschüssige Brote in die LokavorBox stellen. Noch ein Foto schiessen und nach wenigen Klicks gehen die Brote ‹on Air›.» Im Detail heisse dies, dass nicht nur Follower eine Info erhalten würden, sondern alle Peronen im Umkreis von wenigen Kilometern. In den Einstellungen könne unter anderem bestimmt werden, wie viele Male ein App-Nutzer in den Genuss eines Geschenks komme.

«Auf diese Weise kann der Anbieter überschüssige Ware sinnvoll als Marketingtool einsetzen.»

Der Weg ist das Ziel
Auch wenn die App so gut wie alle wichtigen Funktionen besitze, seien laufend neue Verbesserungen und Updates geplant. «Der Kunde soll sehen, dass wir nicht stillstehen.»

Eines der gesteckten Ziele sei die Förderung des Netzwerkgedanken unter den Anbietern. Biete ein Hoflädeli auch Produkte eines anderen Anbieters an, müsse der Kunde nicht auf eine grosse Einkaufstour gehen und die Anbieter hätten weitere Verkaufsflächen. Marktfahrer können bereits zusammen Marktplätze einrichten, um beispielsweise an einem Wochenmarkt gemeinsam aufzutreten. Diese Funktion werde vom Genuss-Pop-Up Store in Kreuzlingen genutzt.

Software-Architekten, Backend- und Frontend-Developer sowie Nutzeroberflächen-Designer in halb Europa seien für das Gelingen der App zuständig, sagte Schwinger: «In dieser Plattform mit solch einer Funktionstiefe steckt viel Zeit und Wissen.»

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