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«Geht nur mit viel Engagement»

Münsterlingen – Viel erlebt in 44 Jahren: Maria und Rainer Britt blicken auf eine äusserst lebhafte Zeit als Wirte in der Landschlachter «Sonne» zurück. Nun wollen es die beiden einiges ruhiger angehen lassen und öffnen die Räumlichkeiten nur noch für Gruppen nach Reservierung.

Der Ritter, Rainer und Maria Britt: Für Gruppen bleibt auch die Ritterstube bei Bedarf noch offen. (Bild: Kurt Peter)

Am 1. Dezember 1977 kaufte Rainer Britt die «Sonne» in Landschlacht und machte das Restaurant zusammen mit seinem Bruder Matthias für die Gäste wieder auf. Wenn Rainer Britt nach 44 Jahren an den Anfang zurückblickt, dann mit etwas schaudern, denn: «Für den Ritterspiess und das Stroganoff, das Angebot unseres Vorgängers, reichte die kleine Küche, für unsere Vorstellungen einer Speisekarte aber bei weitem nicht». Und so habe sich dann «Matthias über die zu kleine Küche aufgeregt und ich mich dann über ihn». Der Küchenausbau brachte schliesslich die Lösung. «Ohne diesen Ausbau hätte ich nicht 44 Jahre hier verbracht», ist Rainer Britt überzeugt.

Viel investiert
In den mehr als vier Jahrzehnten habe sich viel getan. 1980 kam Maria nach der Hochzeit in die «Sonne» und es folgten drei Söhne. 1989 folgte dann der Umbau der Remise zu Wohnraum und sechs Hotelzimmern, «ein grosser, sehr erfolgreicher Schritt», sind sich beide einig. Bereits sechs Jahre zuvor entstand die beliebte Minigolf-Anlage, «die wir dann aber 2012 wieder verkauft haben» In der «Sonne» sei 1999 der ehemalige Trottenkeller zum Ritterkeller ausgebaut worden, die Bar sei im gleichen zum Nichtraucherstübli umgebaut worden. Als eines der ersten Restaurants habe die «Sonne» damit auf Trends reagiert. In der Gastronomie habe sich in den Jahren vieles verändert, «mit der Einführung der 0,5 Promille-Grenze hat sich die Kundschaft von Stammgästen zu Gruppen verschoben». Und der Umsatz habe natürlich gelitten.

Maria und Rainer Britt erinnern sich auch an die Zeit, als in Kreuzlingen die «Villa Wahnsinn» ein Publikumsmagnet war. Denn nach Wahnsinn-Feierabend «wurde unsere Gaststätte regelrecht gestürmt und alle verlangten nach Pouletflügeli», erklärt Rainer Britt. Da seien schon mal 30 Kilo über die Theke gegangen. Und mit dem Feierabend, besser der Polizeistunde, hätten sie beide es auch nicht immer so streng genommen: «Freitag und Samstag konnte es öfter 7 Uhr morgens werden, Sonntags 8 Uhr», erinnert sich Maria.

Corona-Zeit, starke Zeit
Die Gäste hätten ja nie zum Bleiben überredet werden müssen, denn im Trottenkeller, dem heutigen Ritterkeller, habe es früher am Wochenende Dancing mit Live-Bands gegeben. Langweilig sei es ihnen nie geworden, «neben dem Restaurant mit Hotel und dem Minigolf mit Kiosk engagierte ich mich in vielen Verbänden wie Gastro Kreuzlingen und Thurgau oder Kreuzlingen Tourismus, führte Fortbildungskurse durch und musste als Koch meine Soldaten verpflegen», so Rainer Britt. Das alles sei nur durch ein maximales Engagement zu meistern gewesen» blickt Maria zurück. «Und mit grosser Begeisterung für die Branche, für die Gäste und für die Förderung des Gemeindelebens», ergänzt Rainer. Nicht nur von den «Chefs», auch vom Personal.

«Wir haben von Corona profitiert», geben beide rückblickend bekannt. 2020 und 2021 seien im Hotel eine starke Zeit gewesen. Die «Sonne» habe von der Situation in Deutschland profitiert. Die Gastronomie sei geschlossen gewesen, während in der Schweiz für Hotelgäste auch Menus serviert worden seien. «Das hat uns viele Besucher gebracht, die auch länger als früher bei uns übernachtet haben». Übrigens: Das Hotel bleibt offen, während das Restaurant am vergangenen Wochenende den «regulären» Betrieb einstellte.

Anerkennung und Dank
Als am Sonntagabend, 28. November, der letzte Gast die «Sonne» verliess, wurde es still in der Gaststätte. «Und emotional. Während der letzten drei offenen Tage hatte wir nicht die Zeit, darüber nachzudenken. Alle Plätze waren besetzt, unsere Stammgäste beehrten uns zum letzten Mal und waren begeistert. Und nun blieben da die vielen Geschenke, die vielen lobenden Worte der Anerkennung und des Dankes», sagt Maria Britt. «Wir wollen uns auch bedanken für die Treue und die Freundschaft.»

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