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Thurgauer Volk verschaukelt

Leserbrief – Jost Rüegg, Kantonsrat, aus Kreuzlingen, fühlt sich verschaukelt, da die Steuersenkung um acht Prozent ein Loch in die Kasse reisst, den Steuerzahler aber kaum entlastet.

Leserbrief

(Bild: Dirk Wouters/Pixabay)

Mit der am Mittwoch, 8. Dezember, von der Mehrheit des Grossen Rates beschlossenen Steuerfussreduktion um acht Prozent, also von 117 auf 109 Prozent, verliert der Kanton 48 Millionen pro Jahr. An der gleichen Sitzung beschloss der Grosse Rat gleich auch noch die Abschaffung der Liegenschaftensteuer, wobei noch einmal ein Minus von 18 Millionen hinzu kommt. Das sind dann total minus 66 Millionen – und das ab sofort – und jedes Jahr. Diese 66 Millionen fehlen dann bei der Finanzierung von Kindertagesstätten oder ähnlichen, sinnvollen Einrichtungen. Mit der Abschaffung der Liegenschaftensteuer entgehen den Thurgauer Gemeinden zudem weitere 14 Millionen pro Jahr. Was hat die Thurgauer Bevölkerung davon ? Wenn Sie in Kreuzlingen Wohnen, Mieter sind und gemäss Steuererklärung z.B. ein steuerbares Einkommen von 32’000 Franken haben, dann zahlen Sie heute bei einem Gesamtsteuerfuss von bisher 273 Prozent circa 2’700 Franken Steuern im Jahr. Mit einer Reduktion um acht Prozent zahlen sie dann bei 265 Prozent Steuerprozenten immer noch 2’620 Franken. Sie sparen also pro Monat gerade mal zwei Café-Crème. Das merken Sie gar nicht.  Das heisst, mehrere tausend Franken pro Jahr sparen nur sehr, sehr vermögende Leute. Auch die merken das kaum, haben das aber wohl am nötigsten !?

Ein kleiner Trost: Wenn Sie sich jetzt vom Grossen Rat verschaukelt fühlen, dann gehören Sie zur Mehrheit der Thurgauer Bevölkerung.

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2 thoughts on “Thurgauer Volk verschaukelt

  1. Marc Portmann

    Lieber Jost Rüegg
    Fühle mich gar nicht verschaukelt! Steuersenkungen
    fördern den Wettbewerb und die Attraktivität des Standortes respektiv den Zuzug von Firmen! Quintessenz daraus, es enstehen Arbeistplätze und weitere Steuereinnahmen. Das ist das einfache ein mal eins in der Wirtschaft! Dann kann man weiterhin deine genannten Projekte fördern.

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    1. schiesser

      1. Der Thurgau spart schon bei 117 Steuerprozenten an sozialen Aufgaben – derzeit stürzt er sich sehenden Auges in die nächste juristische Auseinandersetzung um das Bezahlen von Deutschunterricht für Vorschulkinder, den man für obligatorisch erklärt, aber nicht bezahlen will. Das dafür nötige Geld könnte man vermutlich aus der Portokasse bezahlen – aber da wird gespart, damit dann 2. angeblich durch Steuersenkungen mehr Arbeitsplätze entstehen, die dann wieder Steuereinnahmen bringen sollen. Als ob im Thurgau Unterbeschäftigung herrschte und Arbeitsplätze fehlten! Zudem ist dieser „Trickle down-Effekt“ entweder nicht existent oder zumindest marginal (andere nennen das drastischer „Rossbollentheorie“: füttere das Pferd sehr gut, damit es öfter äpfelt, dann haben die Spatzen mehr Rossbollen, um sich zu ernähren). Wie viele Unternehmen müssten denn in den Thurgau ziehen, um 66 Mio. Fr. zusätzliche Steuereinnahmen auf Kantonsebene und 16 Mio. auf Gemeindeebene einzubringen?

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