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Tägerwilen: Tief und grün

Tägerwilen - Regelmässig zu gute Rechnungsabschlüsse und ein gefährlicher Kreisel waren Themen an der vergangenen Gemeindeversammlung in Tägerwilen. Budget und zwei Kreditanträgew wurden genehmigt.

Für Gemeinderätin Rebecca Fässler, Ressort Finanzen und Gemeindepräsident Markus Ellenbroek absolvierten in diesem Amt ihre erste Tägerwiler Budgetversammlung. (Bild: Emil Keller)

Tägerwilen hat mit 33 Prozent den zweittiefsten Steuerfuss im Kanton Thurgau und schreibt dennoch regelmässig grüne Zahlen. Auch für dieses Jahr zeichnet sich ein positiver Rechnungsabschluss ab, wie Rebecca Fässler, die neue Vorsteherin des Ressorts Finanzen, durchblicken liess. Und dies, obwohl mit einem Aufwandüberschuss von rund einer halben Million Franken budgetiert worden war. Für 2022 legte die Gemeinderätin wiederum ein Budget zu Abstimmung vor, welches mit einem Verlust von 443000 Franken rechnet.

Steuersenkung eigentlich nicht erwünscht

Diese Diskrepanz zwischen Budget und jeweiligem Rechnungsabschluss gab an der ordentlichen Gemeindeversammlung vom vergangenen Dienstagabend in der Bürgerhalle Tägerwilen dann auch Grund zur Diskussion. «Seit zwanzig Jahren werden uns Jahr für Jahr durchaus erfreulichere Rechnungsabschlüsse präsentiert, als eigentlich budgetiert worden sind», rechnete Walter Müntener im Namen des Einwohnerforums Tägerwilen vor. Eine gesamthafte Budgetabweichung von 13 Millionen Franken habe sich so über die vergangenen 20 Jahre aufsummiert. Es sei nicht abwegig, dass in einer der kommenden Budgetversammlungen der spontane Ruf nach einer erneuten Steuersenkung laut werden.

Ein Schritt, der eigentlich nicht gewünscht sei, da die Gemeinde dadurch noch attraktiver für Zuzüger werde und der Druck auf den Immobilienmarkt dadurch weiter ansteige. «Dennoch soll die Gemeinde keine Steuern auf Vorrat einnehmen», gab Müntener zu bedenken und stellte den Antrag, dass der Gemeinderat Möglichkeiten prüfen solle, wie man die zu viel eingenommenen Steuergelder wieder an die natürlichen und juristischen Personen zurückfliessen lassen könne. Zudem solle der Gemeinderat dazu angehalten werden, künftig realistischer zu budgetieren.

Ein Dorn im Auge

Der neue Gemeindepräsident Markus Ellenbroek, für den es in diesem Amt ebenfalls die erste Budgetversammlung war, betrachtete den Wunsch nach realistischeren Budgets als legitimes Anliegen. «Uns sind die Abweichungen ebenfalls ein Dorn im Auge», sagte Ellenbroek. Doch sei es gar nicht so einfach, die Ursachen dafür zu lokalisieren. Seien es Grundstückgewinnsteuern, Neubewertungen von Liegenschaften oder höhere Einnahmen bei juristischen Personen – die Gründe für die Abweichungen seien jedes Jahr verschieden.

«Das zu viel ausgegebene Geld haben wir ja mittlerweile auch wieder ausgegeben», gab Stimmbürger Christian Schwarz zu bedenken. Er fragte sich, wie diese Investitionen nun wieder an die Steuerzahlerinnen und -zahler zurückfliessen sollten. «Soll jeder ein Stück der neu gebauten Hauptstrasse mit nach Hause nehmen dürfen?» Ellenbroek bestätigte, dass diese Gelder nicht in Form von Liquiden Mitteln zur Verfügung stehen, sondern sich vor allem in Investitionen in den Werken niedergeschlagen haben. In den kommenden Jahren würden hier noch weitere grosse Investitionen auf die Gemeinde zukommen. So wurde der Antrag des Einwohnerforums grossmehrheitlich abgelehnt. Das Budget mit dem gleichbleibenden Steuerfuss von 33 Prozent wurde dann sogar einstimmig gutgeheissen.

Unfallknoten entschärfen

Zwei Investitionen über jeweils eine Million Franken standen schon an diesem Abend zur Abstimmung. Die geplante Sanierung der Seeblickstrasse samt neuer Werkleitungen wurde diskussionslos und einstimmig gutgeheissen. Für die Neugestaltung des Hertler Kreisels bei der Tägerwiler Ausfahrt nach Triboltingen gab Benedikt Eberle, Abteilungsleiter des kantonalen Strassenbaus, gleich selbst Einblick in die geplanten Massnahmen. «Der Kreisel ist in die Jahre gekommen», führte Eberle aus. Spurrinnen würden von dem erhöhten Verkehrsaufkommen zeugen, unter dem sich auch Schwertransporte befinden würden. «Es wird gefährlich», fasst Eberle zusammen.

Nicht nur wegen den Abnutzungserscheinungen, sondern auch wegen der «Durchschüssigkeit» des Kreisels. Die Verkehrsteilnehmer würden nicht abbremsen, sondern geradeaus durch den Kreisel fahren. In den vergangenen Jahren habe es deswegen zahlreiche Unfälle, drei davon mit Schwerverletzten gegeben. Der Kreisel wird deshalb bereits als Unfallschwerpunkt in der eidgenössischen Statistik geführt. Eine Verengung der Einfahrtspunkte sowie eine kleine Verschiebung des Kreisels solle dafür sorgen, dass das Tempo immerhin auf 30 Stundenkilometer gedrosselt wird.

Tägerwilen würde neben ihrem Anteil am Strassenbau gleich auch die Werksleitungen erneuern, wofür gesamthaft ein Kredit von 1,085 Millionen Franken nötig ist. «Jeder Verletzte ist einer zu viel», gab ein Stimmbürger zu bedenken und wollte beliebt machen, das Tempo im Kreisel noch weiter zu reduzieren. Kein einfaches Unterfangen, wie Eberle zu bedenken gab, da die Platzverhältnisse bereits jetzt schon beschränkt seien. Die Gemeindeversammlung sah den Handlungsbedarf auf jeden Fall als gegeben und genehmigte den Kredit einstimmig.

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