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Wohnraum am Boulevard

Kreuzlingen – Das Areal zwischen Molki und Helvetiaplatz soll bis 2027 neu überbaut werden.

Stadtrat Ernst Zülle (v.l.), Dominik Holderegger, Daniel Vetterli und Jürg Pengler. (Bild: Inka Grabowsky)

Ein Zufall gab im Frühjahr 2020 den Startschuss für das Grossprojekt. Die Raiffeisenbank fühlte sich am bisher angemieteten Standort zunehmend beengt und suchte nach einer eigenen Immobilie: «Wir haben Liegenschaftseigentümer an der Hauptstrasse angeschrieben, ob sie vielleicht verkaufen wollen», erzählt Dominik Holderegger von der Bankleitung. Bei der ImmoH2J rannte sie offene Türen ein. Seit 2011 besitzt die Entwicklungsfirma das Gebäude am Helvetiaplatz, in dem vor langer Zeit einmal das «Hotel Zur Helvetia» zuhause war. Die beiden beschlossen zusammen ein Bauprojekt aufzugleisen.

Das bestehende Haus an der Hauptstrasse 29 kann nach Absprache mit der Denkmalpflege abgerissen werden und – inklusive des bisherigen Parkplatzes der Credit Suisse – Platz machen für einen Gebäudekomplex mit Bank und Mietwohnungen. Als zusätzlicher Partner konnte der Thurgauer Milchproduzentenverband gewonnen werden, dem die alte Molki in der direkten Nachbarschaft gehört. «Vor gut dreissig Jahren ist hier das letzte Mal Milch geflossen», so Verbandspräsident Daniel Vetterli. «Ein Umbau lag für uns immer in ferner Zukunft, aber bei einem so guten Projekt bieten wir jetzt gerne Hand». In der Molki soll man zukünftig ebenfalls zur Miete wohnen können – sogar mit eigenem Dachgarten.

Gut für die Stadt
Die Stadt freut sich über die breite Zusammenarbeit. «Im Zentrum ist es besonders wichtig, dass man an den städtebaulichen Zusammenhang denkt», sagt Stadtbaurat Ernst Zülle. «Es ist eine Aufwertung für den Boulevard, ob man das neue Areal nun als seinen Schlusspunkt oder als Auftakt bezeichnet.» Er stellt in Aussicht, dass zeitgleich mit den neuen Gebäuden die nördliche Hauptstrasse zwischen Helvetiaplatz und dem Schnetztor im Rahmen des Agglomerationsprogramms Kreuzlingen-Konstanz aufgewertet werden soll.

Um das Projekt für die Stadt zusätzlich zu versüssen, haben die Bauherren angedacht, im Erdgeschoss der Molki einen ständigen Markt einzurichten. «Es gäbe jedenfalls genügend innovative Landwirte in der Region», so Vetterli. Ausserdem wird überlegt, ein Geschoss der geplanten Tiefgarage unter der «Helvetia» für die Allgemeinheit zu öffnen. «Es wäre schön, wenn wir mehr parkierte Autos von der Strasse bekämen», so Zülle.

Ortsplanungsrevision als Engpassfaktor
Die Bauherren rechnen mit einer Baubewilligung bis zum Herbst kommenden Jahres. «Im Sommer 23 könnten die Arbeiten an der Hauptstrasse beginnen», erklärt Jürg Pengler, der Inhaber von ImmoH2J. «Der erste Teil könnte 2025 fertig sein. Anschliessend würde mit dem Umbau der Molki begonnen.» Bis 2025 laufen noch die Verträge mit den bisherigen Mietern der Molki, die man einhalten wolle.

Der Zeitplan steht unter einem Vorbehalt. Das Projekt ist auf die Ortsplanungsrevision angewiesen. Der Ausnutzungsgrad und die Gebäudehöhen stimmen mit dem derzeitigen Reglement nicht überein. «Es sind aber gegen die Revision neun Einsprachen eingegangen, die jetzt abgearbeitet werden», warnt Zülle. «Der Ball liegt beim Kanton. Ob das neue Reglement bis zum Frühjahr 2022 in Kraft ist, kann niemand garantieren.»

Inka Grabowsky

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