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16’000 Franken fürs Open Place

Kreuzlingen – Die Kleiderbörse in Kurzrickenbach ist ein voller Erfolg.

(Bild: Inka Grabowsky)

«Die Kleiderbörse bietet Hilfe zur Selbsthilfe, weil jeder mitarbeiten kann», sagt Pfarrer Damian Brot. «Sie unterstützt vor allem aber Menschen in Not, und wie wir im vergangenen Jahr gesehen haben, bringt sie gleichzeitig dem Open Place etwas Geld ein.» Seit einem Jahr werden im Bleichesaal an der Kirche Kurzrickenbach Hosen, Pullover, Kinderkleider und Mäntel verkauft, die zuvor dem Open Place gespendet wurden. Verkauft werden die Waren für bescheidene Summen ab einem Franken. Wer nichts zahlen kann, bekommt Kleider sogar geschenkt. «Wir können grosszügig sein, weil die Bevölkerung mit uns grosszügig ist», sagt Silvia Napo, die Koordinatorin der Freiwilligenarbeit im Open Place. Hedi Fessler, die in ihrer Freizeit in der Börse arbeitet, ergänzt: «Wir wollen kein Geld verdienen, sondern helfen.» Dennoch kann die Organisation unter dem Dach der evangelischen Kirchgemeinde eine stolze Bilanz vorweisen: Von Dezember 2020 bis Ende November sind allein aus dem Verkauf der gespendeten Kleider 12´700 Franken zusammengekommen, die nun dazu beitragen, die integrative und soziale Arbeit des Open Place zu finanzieren. Dazu kommen noch rund 3300 Franken aus zwei Flohmärkten.

Altkleider im Gemeinderaum
Entstanden sei die Kleiderbörse durch Nachfragen von Spendern der Lebensmittel-Abgabestelle «Verwertbar», erzählt Damian Brot. «Menschen, die uns Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt haben, wollten wissen, ob wir auch Kleider brauchen können.» Es kam schnell viel Kleidung zusammen, die alle 14 Tage im Rahmen eines mobilen Stands über die Verwertbar an Bedürftige weitergegeben wurde. «Wir haben jeweils drei Stunden aufgebaut, dann verkauft und schliesslich drei Stunden wieder alles abgebaut und in Bananenschachteln sortiert», erinnert sich Silvia Napo. Immer mehr Leute kamen, doch der Lagerplatz war beschränkt. Deshalb waren die Kleiderbörsen-Organisatoren froh, als ihnen die evangelische Kirchgemeinde vor einem Jahr den Raum im Tiefparterre des Hauses «Zur Bleiche» als permanenten Laden zur Verfügung stellte. Hier wartet nun dienstags und freitags Vormittag, sowie jeden zweiten Mittwochnachmitttag Kinder-, Damen- und Herren-Bekleidung auf Abnehmer.

Von der Kundin zur Helferin
Das Angebot nutzen Randständige, kinderreiche Familien, Migranten, junge Menschen mit wenig Geld und auch Ältere, die nicht Kleider, sondern Gesellschaft suchen. «Ich treffe hier Menschen, die sich sonst oft verstecken», sagt Elvira Zuppinger, die selbst Stammkundin ist. Sie betreut ehrenamtlich neun Geflüchtete für Agathu, der Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau. «Wenn jemand ankommt, dann fehlen oft die einfachsten Dinge – lange Hosen oder Socken. Und die Mütter brauchen immer wieder Kleider für ihre Kinder. Hier bekommen sie die Sachen fast gratis.» Kris Tarchini kennt sowohl die Verkäufer- als auch die Käuferseite. Sie kam als Kundin ins Open Place und blieb als Helferin: «Ich hatte nach einem Burn-Out sehr wenig Geld und kam wegen der Lebensmittel in die Verwertbar. Auch die Kleiderbörse hat mir geholfen. Inzwischen geht es mir wieder besser. Und wenn ich etwas empfange, dann will ich auch zurückgeben.»

Die Kleiderbörse ist heute zwischen 9 und 11.30 Uhr geöffnet. Das Café im Open Place bietet zusätzlich am 1. Weihnachtstag zwischen 9 und 11.30 Uhr Raum für Begegnungen.

Inka Grabowsky

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