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Taucharchäologische Untersuchungen bei Ermatingen

Ermatingen – In der grossen Bucht im Westen von Ermatingen befinden sich Überreste von mehreren Pfahlbausiedlungen. Diese werden seit Anfang Februar und noch bis Ende März 2022 von der Tauchequipe des Amts für Archäologie Thurgau untersucht. Dabei wird die Ausdehnung der Fundstellen von nationaler Bedeutung abgeklärt.

– Entnahme eines Sediment-Bohrkerns durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amts für Archäologie. (Bild: zvg)

Die Pfahlbausiedlungen bei Ermatingen sind seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Damals wurde von grossflächigen Pfahlfeldern berichtet, und zahlreiche Funde haben den Weg in Museen und private Sammlungen gefunden. Untersuchungen in den Jahren 1981 und 1982 zeigten, dass die Pfahlfelder im Flachwasserbereich stark unter Erosion gelitten hatten. Fundschichten liessen sich nur noch in zwei Bereichen feststellen: vor dem Westerfeld und im Bereich des heutigen Bojenfeldes im Büüge. Beim Bojenfeld führen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amts für Archäologie Thurgau seit Februar 2022 Bohrungen durch. Die dabei gefassten prähistorischen Schichten geben Auskunft zur Ausdehnung und Erhaltung der Überreste aus der Pfahlbauzeit.

– Archäologin Simone Benguerel und Grabungstechniker Thomas Keiser erklären den Medienschaffenden, wie ein Sediment-Bohrkern analysiert wird. (Bild: zvg)

Ein Kommen und Gehen über 2000 Jahre
Funde in den Altsammlungen bezeugen, dass im Verlauf der Jungsteinzeit – genauer vom beginnenden 4. bis ins 3. Jahrtausend v.Chr. – in der ausgedehnten Ermatinger Bucht immer wieder Dörfer erbaut und nach einigen Generationen verlassen worden waren. Pfahlfelder und zugehörige Schichten von mehreren Pfahlbaudörfern im Westerfeld wurden 1996-1998 archäologisch untersucht und vor Erosion geschützt. Weitere Siedlungsstandorte sind etwa 400 Meter weiter östlich nachgewiesen. Diese wurden bisher nur sehr punktuell untersucht. Zuletzt wurde im Jahr 2013 der Seegrund auf einer Fläche von zehn Quadratmetern vom Schlick befreit, dabei Schichtreste und Pfähle dokumentiert. Die dendroarchäologischen Untersuchungen datierten letztere ins Jahr 3070 v.Chr. Die Hölzer stammen also von einer Besiedlung während der sogenannten Horgener Kultur. Von der Siedlung ist bislang nur ein kleiner Ausschnitt der erhaltenen archäologischen Reste bekannt. Ausserdem stellen sich Fragen nach deren Gefährdung durch Erosion und mechanische Eingriffe wie Schwojkreise von Ankerketten.

Das Bojenfeld in der Ermatinger Bucht aus der Luft. Gut zu erkennen sind die Schwojkreise der Bojen. (Bild: zvg)

Aktuelle Untersuchungen
In einer ersten Kampagne werden in diesem Jahr die Ausdehnung und Erhaltung der beobachteten Schichten abgeklärt. Dazu wurden im Verlauf der letzten Wochen im Büüge mehrere hundert Sediment-Bohrkerne entnommen und dokumentiert. Darin zeigen sich organische Schichten auf einer Fläche von etwa 3000 Quadratmetern. Es handelt sich um Überreste von pfahlbauzeitlichen Siedlungen. Mehrheitlich sind die Sedimente stark verschwemmt, nur lokal haben sie sich besser erhalten. Die Untersuchungen werden noch bis Ende März fortgesetzt.

Die Archäologinnen und Archäologen haben ihre Basis beim Segelclub in Ermatingen eingerichtet. Informationen zu den laufenden Arbeiten sind am Bauwagen angebracht oder auf der Homepage des Amts für Archäologie nachzulesen (archaeologie.tg.ch). Für interessierte Besucherinnen und Besucher findet am Mittwoch, 23. März 2022, ab 15 Uhr vor Ort eine stündige Präsentation der Ergebnisse der Untersuchungen statt. Dabei werden auch die Bohrausrüstung und ausgewählte Altfunde aus der Ermatinger Bucht gezeigt.

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