/// Rubrik: Leserbriefe | Topaktuell

Der Preis des Krieges

Leserbrief – Jost Rüegg aus Kreuzlingen findet es unangebracht, dass in der Schweiz bis jetzt nur ein kleiner Teil der «Oligarchen-Gelder» eingefroren wurden.

Leserbrief

(Bild: Free-Photos/Pixabay)

«Geld regiert die Welt.» Dieser banale Satz wird uns im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine einmal mehr ins Bewusstsein gebracht. Wir in der westlichen Welt gehen zu Recht davon aus, dass sich demokratische Gesellschaften auf lange Sicht durchsetzen müssen und auch werden. Weil aber auch in demokratischen Gesellschaften Geld und Macht ein grösseres Gewicht haben als zum Beispiel Solidarität, bleiben auch unsere, westlich orientierten Demokratien anfällig für grobe Ungerechtigkeiten innerhalb und ausserhalb ihrer Grenzen. Gegenüber «Autokratien» sind wir kurzzeitig immer am kürzeren Hebel. Das hat viel mit unseren vorwiegend von Konsum gesteuerten Gesellschaften zu tun. Weil wir uns aus Opportunismus möglichst billige Produkte wünschen, von den teuren Autos, die wir uns in der Schweiz allemal leisten einmal abgesehen, zahlen wir einen hohen moralischen Preis, indem wir mit Autokratien kooperieren, statt uns von ihnen abzugrenzen. Diese Doppelmoral, wir nennen sie «freie Marktwirtschaft», fällt jetzt wieder einmal auf uns zurück. Möglichst billige Energie, billige Waren und das im Überfluss, sind uns wichtiger als eine intakte Umwelt und eine solidarische, friedliche Welt. Dass in der Schweiz von den geschätzten 200 Milliarden Oligarchen-Gelder bis heute  gerade einmal drei Prozent blockiert werden konnten, ist nicht nur peinlich, das ist ein inakzeptables  Unvermögen unseres Staates. Zudem, ein sofortiger Boykott von Gütern und Energie aus Russland wäre eine weitere und dringend nötige Sofortreaktion der Schweiz auf diesen Krieg,  auch wenn wir dabei kurz- bis mittelfristig höhere Preise bezahlen müssen. Mindestens das sind wir der kriegsversehrten, ukrainischen Bevölkerung schuldig.

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