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Stradivari Quartett im Schloss Girsberg

Kreuzlingen – Mit dem Auftritt im Schloss Girsberg eröffnete das Stradivari Quartett den Einstieg in die «Klangwelle Schumann» der Konzertsaison 2022/23. Was die Besucherinnen und Besucher am Freitag in der Kulturscheune zu hören bekamen, waren zwei meisterhaft gespielte und mit spürbarer Emotion dargebotene Kammermusikwerke von Robert Schumann (1810 – 1856).

Stradivari Quartett. (Bild: zvg)

Unter dem Motto «Erleben, Geniessen und Vertiefen» musiziert das 2007 gegründete Stradivari-Quartett im Laufe dieser Konzertsaison in bedeutenden Konzertsälen der Schweiz. Dabei unterscheiden sich die Programme bezüglich Musikauswahl und Zusammensetzung der Interpreten. Geboten wird während der Konzertsaison 2022/23 ausschliesslich Musik aus dem reichhaltigen Schaffen von Robert und Clara Schumann. Nach Girsberg folgen weitere Auftritte – rund 50 an der Zahl – jeweils in einer akustisch erstklassigen Saalumgebung. Inzwischen existiert eine eigentliche Fan-Gemeinde, die dem Stradivarius Quartett nachreist. Dass der Beginn der Konzerttournee in der Kulturscheune Girsberg erfolgte, ist wohl als Hommage an den in Kreuzlingen aufgewachsenen Pianisten Benjamin Engeli zu verstehen.

Die Einführung (Prélude) in den Konzertabend sprach Benjamin Herzog, Redaktor SRF ergänzt durch Musikbeispiele, dargeboten von den Interpreten. Packend und mit äusserster Präzision schälten die Musizierenden die zahlreichen Akzente aus einer Musik voller Leidenschaft und Geheimnis. Den anspruchsvollen Einstieg in das 1851 entstandenen Klaviertrio Opus 110 in g-Moll gestalteten mit sattem Klang Xiaoming Wang (Violine), Maja Weber (Violoncello) und Benjamin Engeli (Klavier). Rasante musikalische Ausbrüche versetzte das Trio in die Forderung einer absoluten Präzision bei feurigem Zusammenspiel. Dem Ensemble gelang es bestens die Dramatik der emotional geprägten Musikreise zu gestalten, sich einzugeben in das Wechselspiel der Gefühle. Wenn auch dem Opus 110 eingängige Melodien weitgehend fehlen, so machten die Musizierenden diesen Mangel wett durch ein reichhaltiges Akzentuieren und Herausformen einzelner Passagen.  Erhebend, wie das Trio selbst bei den rasch aufeinanderfolgenden dynamischen Nuancen präzise blieb bei gleichzeitig transparentem Klang. Beim um 10 Jahre jüngeren Klavierquartett Opus 47, das anschliessend geboten wurde, galt es weitere Gefühlsmomente zu gestalten. Mit Lech Antonio Uszynski (Viola) wurde der Klang reichhaltiger, das Zusammenspiel nuancenreicher und auch festlicher. Das ebenfalls viersätzige Werk forderte immer wieder Virtuosität. Sie ist dann erreicht, wenn sie sich als eine Selbstverständlichkeit präsentiert, locker, freudig, gelöst. Vielleicht sogar mit etwas Humor. Den Stradivari Musikern gelang dies auf eindrückliche Weise.

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